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In der Ostsee breiten sich immer mehr sauerstoffarme Zonen aus, in denen kaum mehr Leben möglich ist. In 250 Karten zeigen Forscher des Leibniz-Instituts erstmals die Entwicklung dieser Gebiete seit den 60er-Jahren.

Sauerstoffarme Areale sind typisch für die Ostsee: Sie entstehen, weil das Wasser des Binnenmeeres wenig durchmischt und stark geschichtet ist. Am Meeresboden sammelt sich salziges, sauerstoffarmes Wasser. Bakterien zehren den wenigen Sauerstoff auf und es bildet sich giftiger Schwefelwasserstoff. Dort kann kein höheres Leben mehr existieren.

Schon 2014 warnten Meeresforscher von der Universität Aarhus, dass sich die lebensfeindlichen Gebiete in etwas mehr als hundert Jahren mehr als verzehnfacht hätten. Sie bezifferten die toten Gebiete auf rund 60.000 Quadratkilometer, das ist die anderthalbfache Fläche Dänemarks. 

Karte des Leibniz Institus für Ostseeforschung

Diese Karte des Leibniz-Institus für Ostseeforschung in Warnemünde zeigt die durch Sauerstoffmangel (Oxygen Deficiency) und hohen Schwefelwasserstoffgehalt (Hydrogen Sulphide) gekennzeichneten Zonen in der Ostsee. © IOW / doi: 10.12754/msr-2016-0100

Warum sich die Todeszonen seit gut 40 Jahren ausweiten, ist noch unzureichend erforscht. Tatsache ist aber, dass es nur noch selten zu sogenannten großen Salzwassereinbrüchen aus der Nordsee kommt, durch die sauerstoffreiches Wasser in die tiefen Schichten der Ostsee gelangt. Bis in die 1980er-Jahre hinein wurden etwa sechs bis sieben solcher Einstromereignisse pro Jahrzent registriert, in den letzten 30 Jahren dagegen nur noch drei. Dass dieses Phänomen, das sich nur bei bestimmten Windwetterlagen ereignet, seltener geworden ist, ist einer der Gründe dafür, dass der Ostsee langsam die Luft ausgeht. Menschliche Einflüsse verschärfen das Problem: Hohe Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft, aber auch aus Kraftwerken und Straßenverkehr, gelangen über Flüsse und Atmosphäre ins Meer und führen zur Überdüngung des Wassers, was zu Algenblüten und Sauerstoffzehrung führt. Weitere Ursachen sind der Klimawandel – wärmeres Wasser begünstigt zusätzlich die bakteriellen Zersetzungsprozesse.  

Mit den nun zusammengestellten und veröffentlichen Kartenmaterial will das Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde dabei helfen, die Phänomene, Prozesse und Dynamik in der Ostsee besser zu erforschen und zu verstehen. Die Daten wurden an bis zu 60 verschiedenen Messstationen in der Ostsee erhoben.