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Mecklenburg-Vorpommern nimmt vor allem bei der Windenergie einen bundesweiten Spitzenplatz ein, was die Produktion, aber auch die Kosten für die Verbraucher betrifft.Weniger überlastete Netze – das Energieministerium teilte am Dienstag mit, dass das Land bei den erneuerbaren Energien auf dem richtigen Weg sei. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache.

Stefan SauerMecklenburg-Vorpommern nimmt vor allem bei der Windenergie einen bundesweiten Spitzenplatz ein, was die Produktion, aber auch die Kosten für die Verbraucher betrifft.

„In Mecklenburg-Vorpommern hat sich die Einspeisung erneuerbarer Energien ins Stromnetz erheblich verbessert.” Mit diesen Worten eröffnete das Energieministerium Mecklenburg-Vorpommern eine Pressemitteilung, um den aktuellsten Bericht der Bundesnetzagentur anzupreisen. „Entgegen anderslautenden Gerüchten sind Abregelungen in den Übertragungsnetzen für Mecklenburg-Vorpommern keine relevante Größe,“ schrieb Energieminister Christian Pegel (SPD).

Täuschen sich die Augen der Menschen, die regelmäßig Windräder in der Region sehen, die sich trotz Wind nicht drehen? Sie täuschen sich nicht, der Bericht der Bundesnetzagentur zeichnet kein gutes Bild von der Energiewende in MV. Das Energieminsterium nannte nur einen positiven Punkt aus dem Bericht, der gut klingt. Pegel zufolge waren die Übertragungsnetze in MV kaum überlastet, und Betreiber mussten hierzulande die Einspeisung von Strom aus Wind-, Solar- und Biomasseanlagen in die Übertragungsnetze, also die überregionalen Netze, kaum herunterregeln. 2016 entfielen auf MV 0,6 Prozent der Abschaltungen in Deutschland. 2015 hatte der Wert bei 1,3 Prozent gelegen.

Verbraucher bekommen die Quittung

Was das Energieministerium jedoch nicht mit einem Wort erwähnte: Nur vier Prozent der Abschaltungen entfallen auf das Übertragungsnetz. 96 Prozent entfallen auf das Verteilernetz, das die Endkunden beliefert. Die Kosten für die ausgefallene Produktion werden auf die Netznutzungsentgelte umgelegt, die der Verbraucher mit der Stromrechnung bezahlt.

In MV mussten dem Bericht der Bundesnetzagentur zufolge mehr Wind, Solar- oder Biomasseanlagen abgeschaltet werden. Das Land hat bundesweit einen Anteil an Abschaltungen von 8,5 Prozent im Jahr 2016. Das entspricht einem Ausfall an Stromproduktion von circa 317,5 Gigawattstunden und geschätzten Entschädigungen von 29,599 Millionen Euro. 2015 lag der Anteil von MV noch bei 5,6 Prozent, die ausgefallenen Gigawattstunden Strom bei 264,7 und die Entschädigungen für Betreiber betrugen rund 24,9 Millionen Euro. Allein im Verteilernetz fielen im vergangenen Jahr 316,6 ausgefallene Gigawattstunden Strom aus, was Entschädigungen von 29,5 Millionen Euro entspricht.

Darstellung als Halbwahrheit bezeichnet

Von der Landtagsopposition hagelte es prompt Kritik an Pegels einseitiger Darstellung. Der energiepolitische Sprecher der AfD-Landtagsfraktion, Ralf Borschke, nannte sie eine Halbwahrheit. "Energieminister Christian Pegel macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt. Leider hat seine Wunschvorstellung mit der Realität immer weniger zu tun." Bei der Linksfraktion traf Pegels Mitteilung auch auf Kritik, vor allem die knapp 30 Millionen Euro Entschädigungen, die die Bürger in MV nun zahlen müssen. "Auch das müssen die Verbraucherinnen und Verbraucher in M-V mit ihrer Stromrechnung bezahlen", so Mignon Schwenke, energiepolitische Sprecherin der Linken.