Bio boomt in Hamburg. Doch leider stammen die Öko-Kartoffeln zu oft aus Afrika, der Spargel aus Peru und die ungespritzten Äpfel aus Neuseeland. Denn in Deutschland wird zu wenig Bio angebaut. Dabei könnte sich die Region Hamburg sogar komplett aus eigenem Anbau versorgen – und zwar zu 100 Prozent ökologisch! Wie das gehen soll, erklärt Studentin Sarah Joseph (26) in ihrer Master-Arbeit.

Schon jetzt gibt es auf den Wochenmärkten natürlich Bio-Äpfel aus dem Alten Land und Kohl, Gurken oder Salat von den Höfen in den Vier- und Marschlanden und aus dem Norden der Stadt. „Aber bisher sind nur knapp zehn Prozent der Anbauflächen ökologisch bewirtschaftet“, sagt der Bio-Fachmann der Wirtschaftsbehörde, Markus Pitz.

Lennart Koch

Lennart Koch (25) und sein Team bei der Heuernte auf seinem Hof in Glüsingen (bei Lüneburg). Er betreibt einen Biohof und beliefert viele Hamburger Wochenmärkte.

Foto: Regionalwert AG Hamburg

Der Senat will diese Quote in den nächsten Jahren auf 20 Prozent erhöhen. Die Studentin Sarah Joseph ist deutlich radikaler an das Thema Bio-Lebensmittel herangegangen. Sie hat für ihre Masterarbeit an der HafenCity-Uni geprüft, ob nicht die gesamte Landwirtschaft in Hamburg auf ökologische Produktion umgestellt werden könnte – oder ob dann keiner in der Stadt mehr satt wird.

Das überraschende Ergebnis: Die Flächen reichen zwar in den Stadtgrenzen allein nicht aus, aber schon die Metropolregion Hamburg ist groß genug, um alle Einwohner des Gebietes mit Bio-Obst und Bio-Gemüse zu versorgen, ohne die Umwelt mit Pestiziden zu belasten und ohne weite Transportwege.

„Studien zeigen, dass 76 Prozent der Verbraucher regionale Produkte wollen“, so Ulf Schönheim von der Regionalwert AG, die Höfe bei der Umstellung auf ökologische Landwirtschaft unterstützt. Allerdings wäre das nicht so billig zu haben wie  Obst und Gemüse aus dem Supermarkt.

„Der Preis fürs Essen wäre wohl höher“, so Schönheim. Andere Folgekosten, die bisher alle Menschen tragen müssen, würden aber sinken. Ein Beispiel: Der Preis für die Aufbereitung von Wasser steigt immer weiter, weil es immer stärker durch die konventionelle Landwirtschaft belastet ist. Solche Folgekosten würden wegfallen.

Damit das spannende Gedankenspiel von Sarah Joseph funktioniert, gibt es allerdings Bedingungen: Etwa 75 Prozent der Agrarflächen in dieser Region (100 Kilometer Umkreis von der Mitte der Stadt gerechnet) müssten für die Lebensmittel-Produktion genutzt werden. Es darf dort also beispielsweise kein Mais für Biogas-Anlagen angebaut werden.

Die bitterste Pille: Die meisten Menschen müssten mehrmals pro Woche Schnitzel und Wurst vom Speiseplan streichen, die verzehrte Fleischmenge müsste nämlich um 70 Prozent sinken. Für die Tiermast reicht die Anbaufläche dann doch nicht.