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Der Gemeinderat Oberbillig hat den Auftrag zum Bau einer neuen Auto- und Personenfähre vergeben. Sieger der Ausschreibung ist eine Werft in Stralsund. Das neue Schiff kostet rund 1,5 Millionen Euro. Die Nachfolgerin der alten Sankta Maria wird die zweite vollelektrisch betriebene Autofähre der Welt sein.

Oberbillig. Bauauftrag für ein neues Fährschiff, das künftig die Moselgemeinden Oberbillig und Wasserbillig/Luxemburg verbinden wird: Von einer "historischen Entscheidung" sprachen vor der Abstimmung im Gemeinderat Oberbillig Ortsbürgermeister Andreas Beiling und Beigeordneter Volker Berens. Als Zuhörer begrüßt wurden der ehemalige Mertert-Wasserbilliger Bürgermeister Gus Stefanetti und sein Nachfolger Gérme Laurent. Die Gemeinde Mertert-Wasserbillig ist finanziell zur Hälfte an dem Fährbetrieb beteiligt. Schiffseigner und Betreiber ist die Gemeinde Oberbillig. Der Rat auf Luxemburger Seite hatte bereits im Frühjahr seine Zustimmung zu dem Neubau gegeben. Nachdem im April die Pläne des beauftragten Schiffbau-Fachbüros Buchloh aus Unkel vorlagen, fasste der Gemeinderat den Grundsatzbeschluss. Wegen der Höhe der Baukosten von rund 1,5 Millionen Euro war eine europaweite Ausschreibung erforderlich. Den Zuschlag erhielt die Werft Formstahl GmbH & Co. KG in Stralsund/Mecklenburg-Vorpommern. Die Entscheidung fasste der Rat einstimmig, die Gäste aus Luxemburg applaudierten.

Laut Beiling war die Ausschreibung an die Erfüllung verschiedener technischer Kriterien für die Elektrofähre gebunden - darunter garantierte Leistung, Reichweite, Wartungsfreundlichkeit und Tragfähigkeit/Ladekapazität, kein Umbau der Landestellen an den Ufern. Beiling: "Nicht nur der Preis war entscheidend, sondern die weitestgehende Berücksichtigung der vorgegebenen Kriterien." Insgesamt sei das Angebot aus Stralsund das wirtschaftlichste. Und die Firma Formstahl verfüge schon über große Erfahrungen im Bau von Elektrobinnenschiffen.
52 Wochen soll der Bau der neuen Fähre dauern. Das Fahrzeug wird die erste elektrisch betriebene Autofähre in Deutschland sein und die zweite in der Welt. Bisher läuft nur in Norwegen eine vollelektrisch betriebene Autofähre - allerdings ist dieses Fahrzeug erheblich größer als die für Oberbillig/Mertert-Wasserbillig geplante Fähre. Auf beiden Seiten der Mosel war ein Schiff mit mehr Ladekapazität nicht gewollt. Die neue Fähre soll zwar geräumiger und komfortabler werden, jedoch bleibt es bei der Ladekapazät von sechs PKW, um nicht noch zusätzlichen Auto-(Pendler-)Verkehr an die beiden Ufer zu locken (der TV berichtete).

Das Angebot aus Stralsund beläuft sich brutto auf 1,61 Millionen Euro. Die Umsatzsteuer wird im Rahmen der Vorsteuerabzugsberechtigung erstattet, so dass ein Nettopreis von 1,5 Millionen Euro bleibt. Jeweils 137 000 Euro beträgt der selbst finanzierte Anteil für die beiden Gemeinden. Rund 568 000 Euro kommen aus der gemeinsamen Rücklage (der TV berichtete). Die EU bezuschusst das Projekt aus ihrem Intereg-Programm mit 659 000 Euro. Weitere Fördermöglichkeiten werden noch geprüft. Das neue Fahrzeug soll am 31. Oktober 2017 ausgeliefert werden.

Extra

Das vom Fachbüro Buchloh in Unkel/Rhein (Kreis Neuwied) entworfene Elektroschiff ist genau den Anforderungen des künftigen Fährbetriebs angepasst. Länge gesamt mit Rampen: 28 Meter. Rumpflänge: 17 Meter. Breite: 8,60 Meter. Breite beider Fahrspuren: fünf Meter (das sind 0,50 Meter mehr als beim alten Schiff und ermöglicht einen begehbaren Mittelstreifen zwischen den Autos). Tiefgang: 0,85 Meter. Tragfähigkeit: 25 Tonnen bei sechs PKW, maximal 45 Personen und 25 Fahrradstellplätzen. Der Antrieb erfolgt über vier Elektromotoren mit Schwenkpropellern (Antriebs- und Ruderfunktion). Als Stromspeicher dienen zwei unabhängige Batterieblöcke (über Nacht aufladbar), so dass auch beim Ausfall eines Systems das Schiff manövrierfähig bleibt. Die Batteriekapazität muss 6,5 Stunden Fahrt bei fünf km/h garantieren. f.k.