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EUROSOLAR NEWSLETTER 

Sehr geehrte Damen und Herren, 

liebe Freundinnen und Freunde von EUROSOLAR,

Stanislaw Lec, der Lieblingsschriftsteller Hermann Scheers, schrieb einmal: „Viele, die ihrer Zeit vorausgeeilt waren, mussten auf sie in sehr unbequemen Unterkünften warten“. In diesem Herbst wundern wir uns über einen Wirtschaftsminister, der klimapolitische Feigenblätter als historische Kompromisse verkauft und blicken mit Spannung auf die USA, wo die Klimakrise höchstens eine Randnotiz im Kampf um das Präsidentenamt ist. Wie frustrierend das für all diejenigen ist, die schon vor Jahrzehnten vor der Erderhitzung warnten und zum Umbau der Energieversorgung mit 100 Prozent Erneuerbaren aufriefen, wissen viele von Ihnen aus eigener Erfahrung. 

Aufgeben ist keine Option. Deshalb gilt es, sich immer wieder umzuschauen und zu sehen, dass die Dinge eben doch in Bewegung sind: In ganz Deutschland gingen laut Fridays For Future am 25. September insgesamt 200.000 Menschen auf die Straße, um eine angemessene Klimapolitik zu fordern. Und bei der Verleihung des Deutschen Solarpreises trafen sich Gewinnerinnen und Gewinner aus ganz unterschiedlichen Bereichen, die mit ihrem Engagement für eine erneuerbare Zukunft stehen. In diesem Sinne: Lassen Sie uns weitermachen!
Eine angenehme Lektüre und einen schönen Herbst wünscht

Ihr EUROSOLAR-Team

Deutscher Solarpreis 2020 in Münster verliehen
Auch in einer Zeit der Unsicherheit und Einschränkungen kann man sich auf manches eben doch verlassen: So prämierten EUROSOLAR und die EnergieAgentur.NRW am 19. September sechs herausragende Projekte im Bereich der Erneuerbaren Energien mit dem Deutsche Solarpreis. Die feierliche Preisverleihung fand unter Einhaltung der Corona-Maßnahmen am Münsteraner Hafen statt. Der Stimmung unter den Gewinnerinnen und Gewinnern taten die Auflagen dabei keinen Abbruch: Die Prämierten freuten sich über die Auszeichnung und den Ideenaustausch – wenn auch auf Abstand – mit Gleichgesinnten.
Prof. Volker Quaschning, Solarpreisträger 2020, erklärte zum Abschluss der Verleihung: „Durch die Auszeichnung mit dem Deutschen Solarpreis, den vor mir bereits viele große Persönlichkeiten erhalten haben, fühle ich mich sehr geehrt. Gerade in der immer schneller voranschreitenden Klimakreise zeigt der Preis, wie wichtig das Engagement von uns allen ist, um die schlimmst möglichen Folgen der Erderhitzung noch verhindern zu können."
Den Vortrag von Prof. Quasching finden Sie auch hier als Video.

Den Deutschen Solarpreis 2020 erhielten:
In der Kategorie Städte/Gemeinden,Landkreise, Stadtwerke – die Versorgungsbetriebe Bordesholm GmbH, für den Bau eines Batteriespeichers zur kommunalen Stromversorgung mit Erneuerbaren Energien.
In der Kategorie Solare Architektur und Stadtentwicklung – heilergeiger architekten und stadtplaner BDA in Kempten für die ressourcenschonende und nachhaltige Restaurierung der Kita Karoline Goldhofer.
Ebenfalls in der Kategorie Solare Architektur und Stadtentwicklung – die Stadt Freiburg für das „Rathaus im Stühlinger“, das europaweit größte öffentliche Netto-Nullenergie-Gebäude.
In der Kategorie Industrielle, kommerzielle oder landwirtschaftliche Betriebe/Unternehmen – die Next2Sun GmbH in Merzig (Saar) für die zukunftsweisende Symbiose von erneuerbarer Stromerzeugung und nachhaltiger Landwirtschaft.
In der Kategorie Lokale oder regionale Vereine/Gemeinschaften – die Energiegewinner eG in Köln für die einfache und faire Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an regionalen Erneuerbaren in Bürgerhand.
In der Kategorie Sonderpreis für persönliches Engagement – Prof. Volker Quaschning, HTW Berlin, für seine herausragende Leistung bei der Aufklärung zu Erneuerbaren Energien und Klimaschutz. 
Hier finden Sie den ausführlichen Pressetext

Digitalisierung der Energiewende unabhängig und dezentral gestalten 
Mitte September veröffentlichte EUROSOLAR ein Kompendium zur Digitalisierung der Energiewende: 
Um die vielfältigen Herausforderungen der Energiewende zu lösen, spielt die Digitalisierung eine Schlüsselrolle. Je nachdem, welchen Pfad wir jetzt einschlagen, können wir Autonomie und Selbststeuerung der Menschen erhöhen oder aber reduzieren. Denn Technologie an und für sich ist neutral und leidenschaftslos. Dezentral eingesetzt, kann sie kostengünstig sein und uns unabhängig von Energieversorgern machen. Mithilfe zentralgesteuerter Netze und Geräte aber wird sogar der Prosumer mit eigenem PV-Dach wieder in die Abhängigkeit der großen Energiekonzerne kommen. Wenn wir die Digitalisierung weise nutzen, können ihre Vorteile phänomenal sein. Unkluge Entscheidungen aber führen uns in Fremdbestimmung und in Abhängigkeit.
Die Energiewende wird weder an mangelnder Technik oder fehlenden Forschungsergebnissen scheitern, noch an ökonomischem Potenzial. Sie könnte scheitern an einer durchgehenden Verhinderungsgesetzgebung, die gerade auf die Spitze getrieben wird. Die Digitalisierung darf nicht weiter missbräuchlich als „Vernetzung“ interpretiert und damit die Dezentralisierung der Energiewirtschaft durch die Hintertür wieder zentralisiert werden. Die Energiewende ist vom Kopf (übergreifende Ausforschung der privaten Energieerzeugung über Big Data- und KI-Nutzung aller Anschlussnehmer des öffentlichen Netzes mit externen Steuerungseingriffen) auf die Füße zu stellen. Das bedeutet, soweit irgendwie möglich lokal zu steuern, und zwar inklusive Lastmanagement und Sektorenkopplung.
Die Zielsetzung für eine dezentrale und klug digitalisierte Energiewende ist einfach:

  • Sie geht so dezentral wie möglich und nur so zentral wie unbedingt nötig vonstatten.
  • Sie beinhaltet minimale Komplexität bei gleichzeitig viel umfassenderen, spezifisch lokalen Betriebsdaten, Zuständen und Ereignissen.
  • Sie bedeutet minimalen regulatorischen Aufwand und minimale Abgaben-Overhead-Kosten.

[...]
Lesen Sie hier das vollständige Kompendium

Engagement im Klimaschutz: Notwendiger denn je
 
Liebe Freundinnen und Freunde von EUROSOLAR,
während die ganze Welt mit der Corona-Pandemie beschäftigt ist, scheint die noch größere Bedrohung des Klimas völlig aus dem Blickfeld zu geraten. Die in der Coronakrise neu entdeckte Kapazität zu schnellen und umfassenden finanziellen, wirtschaftlichen und sozialen Maßnahmen muss auf den Kampf gegen die Klimakatastrophe übertragen werden: Diese ist ungleich gefährlicher für unsere Gesundheit und die Wirtschaft und wütet bereits wesentlich länger. 
EUROSOLAR ist zentraler Teil der breiten gesellschaftlichen Bewegung hin zu einem zukunftsfähigen Wirtschafts- und Gesellschaftssystem. Wir müssen jetzt die Zeit nutzen und alle Gelegenheiten zum Handeln ergreifen, uns weiterhin Ziele stecken und konkrete Schritte umsetzen. In Zeiten von Kohleausstieg und Subventionen für umweltschädigende Industrien muss die Priorität auf nachhaltige Lösungen gesetzt werden. Dabei sind wir mehr denn je auf die Unterstützung von Mitgliedern und Spendern angewiesen. Denn unsere kritische und unabhängige Stimme als gemeinnütziger Verein wird nicht durch Dritte finanziert. Wir möchten Sie hiermit um Ihre Spende bitten, die uns hilft, weiterhin tatkräftig anzupacken. Bei Spenden bis zu einem Beitrag in Höhe von 200 € kann der Kontoauszug als steuerlicher Nachweis beim Finanzamt eingereicht werden. Wir senden Ihnen aber gerne auf Anfrage auch eine Bescheinigung.
Eine schöne Möglichkeit uns zu unterstützen und gleichzeitig anderen Menschen eine Freude zu machen, ist es, eine EUROSOLAR-Mitgliedschaft zu verschenken, z.B. an junge Engagierte für nur 25 € im Jahr. 

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Rosa Hemmers
Vizepräsidentin

Altmaiers Vorschläge
Deutschland. Am 11. September stellte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier einen 20-Punkte-Plan vor, mit dem er einen Kompromiss zwischen Klimaschutz und Wirtschaft erreichen und noch vor der Bundestagswahl 2021 einen überparteilichen Konsens erreichen will. Der Plan, den der Minister als „historisch“ betitelt, liest sich auf den ersten Blick recht ambitioniert. Eine „Charta für Klimaneutralität und Wirtschaftskraft“ und andere vollmundig klingende Begriffe tauchen auf. Doch wer genau hinsieht, merkt schnell: Altmaiers Plan wird kaum etwas an den Fakten ändern, die unsere Bundesregierung längst geschaffen hat. Denn erneuern will der Minister an den Gesetzen nichts mehr, erklärte er. Keiner der 20 Vorschläge trägt indes zur Entfesselung der Erneuerbaren Energien bei, die für das dringende Abwenden der Klimakrise unverzichtbar sind. Deshalb kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die hohlen Phrasen entweder dazu dienen, den Wahlkampf vorzubereiten oder sich dem Druck aus Brüssel zu beugen. Für Letzteres spräche, dass Altmaiers Plan durchaus gewisse Ähnlichkeiten zum European Green Deal hat. 

Weitere Informationen finden Sie zum Beispiel hier

Portugals Kohleausstieg
Portugal. Auf der iberischen Halbinsel hat EDP, Energieversorger und wertvollstes Unternehmen des Landes, den Stopp seines Kohlekraftwerks Sines für Januar 2021 angekündigt. Damit wird das geplante Abschalten aller Kohlekraftwerke im Land um zwei Jahre vorgezogen. Neben Sines bereite das Unternehmen außerdem den Stopp eines weiteren Kraftwerks und die Umrüstung eines Blocks in Spanien vor. In der Erklärung von EDP hieß es dazu, dass die Kosten für Erneuerbare bei gleichzeitig steigenden Preisen für CO2-Emissionen die Aussicht auf Rentabilität von Kohlekraftwerken enorm haben sinken lassen. Ein weiterer Grund seien aber auch die zunehmend wettbewerbsfähigen Preise für Erdgas. Dennoch: Portugal hat seinen Ausstieg aus der Kohle um insgesamt sieben Jahre vorgezogen und zeigt damit, wie schnell ein Land tatsächlich sein Energiesystem transformieren kann. Der Wechsel entspricht dem Willen der Bürgerinnen und Bürger, aber mehr noch: Er ist durch reale Marktbedingungen unausweichlich für das Unternehmen geworden. Währenddesssen versuchen Kohleindustrie und auch Politik noch immer, der Öffentlichkeit weis zu machen, welche desaströsen Folgen ein schneller Kohleausstieg hat, anstatt der ökonomischen ebenso wie ökologischen Wahrheit ins Gesicht zu sehen. 

Mehr darüber lesen Sie hier

Rosnefts Warnung
Russland. Der teilstaatliche russische Mineralölkonzern Rosneft warnt laut einer Meldung der Financial Times (FT) die Unternehmen BP und Royal Dutch Shell vor einer „existentiellen Krise der Öllieferungen“ die diese durch ihre weitere Konzentration auf Erneuerbare Energien auslösen könnten. Wenn große Energieunternehmen im Bereich Öl ihre Investitionen kürzten, wird Rosneft-Spitzenmanager Didier Casimiro zitiert, müssten nationale Gesellschaften größere Teile des Marktes übernehmen.So würden die Öllieferungen sicher gestellt. Hier zeige sich laut FT die wachsende Kluft zwischen staatlichen Ölgesellschaften und jenen Big Playern der Energiewirtschaft, die die Industrie, wie sie heute ist, mitgestaltet haben. Allzu groß kann diese Kluft allerdings auch nicht sein: So hat BP – der Konzern, der knapp 20 % Anteile an Rosneft hält – erst nach massivem Druck von Investoren, Aktivisten und einer breiten Öffentlichkeit zugesagt, künftig mehr in Erneuerbare zu investieren. Es zeigt sich deutlich, dass es für ölfördernde Länder allerhöchste Zeit ist, ihre Wirtschaft zu diversifizieren. Hoffentlich erkennen sie das früh genug. 

Mehr darüber (auf Englisch) finden Sie hier. 

Hybride Abweichungen

Global. Für eine gemeinsame Studie untersuchten das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI sowie die gemeinnützige Forschungsorganisation International Council on Clean Transportation (ICCT) Datenmaterial zur realen Nutzung von mehr als 100.000 Plug-in-Hybridfahrzeugen in Europa, Nordamerika und China. Das Ergebnis: Die tatsächlichen Kraftstoffverbräuche und CO2-Emissionen von Plug-in-Hybridfahrzeugen bei privaten Haltern in Deutschland sind mehr als doppelt so hoch wie im offiziellen Testzyklus. Bei Dienstwagen sind die Werte sogar viermal so hoch. Damit ist die Abweichung zwischen offiziellen Angaben und realen Erfahrungswerten bei Plug-in-Hybridfahrzeugen sehr viel größer als bei Fahrzeugen mit konventionellem Verbrennungsmotor. 

Die Forscherinnen und Forscher leiten aus ihren Ergebnissen konkrete Handlungsempfehlungen ab: So raten sie etwa der Bundesregierung, bei der Förderung von Plug-in-Hybridfahrzeugen Modelle mit höherer elektrischer Reichweite bei geringerer verbrennungsmotorischer Leistung zu bevorzugen. Zudem sollten Förderinstrumente, wie Kaufprämien und reduzierte Dienstwagenbesteuerung, an den Nachweis von überwiegend elektrischer Nutzung im realen Betrieb geknüpft sein. Auch sollten rechtliche und finanzielle Hürden zur Einrichtung von Heimladestationen abgebaut werden. Bleibt nur zu hoffen, dass die Wissenschaftler Gehör finden. 

Mehr Informationen finden Sie hier

Von Sinn und Unsinn der E-Mobilität
Claus P. Baumeister

Wer glaubt, unser Verkehrsminister könnte sich nicht jeden Tag eine neue bescheuerte Idee einfallen lassen, irrt offensichtlich. Neben dem Verbrennen von Steuergeldern (PKW-Maut-Debakel, Bundesbahn, etc.) muss er sich regelmäßig um seine „Freude am Fahren“-Lobby kümmern, bei der er sich sicher schon einen gut dotierten Platz für die Zeit nach dem Ministerium erarbeitet hat. Ein solcher Seitenwechsel ist ja leider in Deutschland nach wie vor möglich.

Wie kann man in dieser Phase der Diskussionen um Klimaschutz und dringend notwendige Verkehrswende allen Ernstes noch eine Kaufprämie für Verbrenner-Fahrzeuge fordern, wie das Anfang September geschehen ist? Das wäre (ähnlich wie die Inbetriebnahme eines Kohlekraftwerks mit dem Kohleausstiegsgesetz) an Absurdität nicht mehr zu überbieten. Es würde der Autoindustrie dabei helfen, die notwendige Transformation weiter hinauszuschieben, weil die auf Halde produzierten Autos plötzlich wieder gekauft werden. Dabei ist es normalerweise in einer Marktwirtschaft üblich, die Produktion von „Ladenhütern“ zu drosseln oder sogar einzustellen – Arbeitsplätze hin oder her. Andererseits gibt es jene Branchen, in denen wertvolle und zukunftsorientiert Arbeitsplätze ohne Rücksicht auf Verluste zunichte gemacht werden – siehe Solar- oder Windkraftindustrie.

Dass man die berechtigte Forderung, Corona-Beihilfen an notwendige Transformationen und Klimaschutz zu koppeln, schnell aufgegeben hat, ist schon schwer erträglich. Man sehe sich nur die auflagenfreien neun Milliarden für Lufthansa an – obwohl doch Frankreich mit der Unterstützung für Air France gezeigt hat, wie es gehen kann. Aber dass man jetzt auch noch exakt gegenläufigen Interessen nachzugeben gedenkt, ist ein Skandal.

Verkehrswende für den Klimaschutz

Neben Ausbau der dezentralen Erneuerbaren Energien-Anlagen, höheren Gebäudeenergiestandards und einer Reformierung der Agrarwirtschaft, stellt die Verkehrswende eine zentrale Herausforderung (nicht nur) für den Klimaschutz dar. Deshalb müssen dringend Bahn, ÖPNV und Fahrrad-Nutzung gestärkt werden. Was den Individualverkehr über die Fahrrad-tauglichen Kurzstrecken hinaus angeht, wird man an einem Übergang von Verbrennern zu E-Autos nicht vorbeikommen, selbst wenn Erstere noch teilweise mit per Power2Liquid erzeugten synthetischen Kraftstoffen am Leben erhalten werden könnten.

Aber die E-Mobilität scheint fast schon wie die Digitalisierung zum Selbstzweck zu werden, weil man diese über-fördert, ohne die Nachhaltigkeit ihres Einsatzes tatsächlich zu hinterfragen – soweit das überhaupt möglich ist. Voraussetzung zur Förderung einer nachhaltigen E-Mobilität wäre etwa,  dass der Betreiber über eine eigene oder nahe gelegene Ladestelle mit nachweislich 100% Erneuerbarem Strom verfügt.

Andernfalls verkehren sich die Emissionsvorteile des E-Antriebes ins Gegenteil, wenn CO2 und Schadstoffe nicht am Auspuff, sondern mit geringerem Wirkungsgrad am Kohlekraftwerk entstehen. Entsprechend sollten ohnehin meist schwere und ressourcenintensive Hybrid-Fahrzeuge überhaupt nicht mehr gefördert werden, weil nicht einmal ihr überwiegend elektrischer Betrieb (aus welcher Quelle auch immer) gesichert ist. Man muss schon ein großes Maß an Disziplin aufbringen, für ca. 30 km E-Reichweite jeden Tag neu zu laden.

PKW mit Wasserstoffantrieb – H2-Brennstoffzellen-Autos – sind ebenfalls aus der Förderung zu nehmen. Auch sie sind schwer und mit zwei Energiequellen relativ komplex. Zudem ist der Wirkungsgrad deutlich geringer als beim reinen Batteriebetrieb, weil sowohl die Wasserstoff-Erzeugung als auch die kalte Rückverstromung per Brennstoffzelle selbst energieintensiv sind. Der Aufbau einer H2-Tankinfrastruktur würde Unsummen kosten und viele Jahre in Anspruch nehmen. In dieser Zeit werden sicher neue Batterietechnologien zur Verfügung stehen, die das Reichweitenproblem lösen.

Hürden für eine sinnvolle E-Mobilität

Andererseits muss die Transformation zur – dann hoffentlich nur regenerativ geladenen – E-Mobilität vorankommen. Trotz der vielen Vorteile von E-Antrieben (emissions- und platztechnisch ebenso wie in Hinblick auf Fahrkomfort, Leistung und geringen Servicebedarf), liegen wir mehr als eine Zehnerpotenz hinter der politischen Zielsetzung von einer Million E-Autos in 2020 zurück. Dafür gibt es zwei entscheidende Gründe: Einerseits der hohe Kaufpreis, der durch die extreme staatliche Förderung kompensiert werden soll, die nicht nur einen exorbitanten Kaufbonus von bis zu 9.000 € umfasst, sondern bei Privatnutzung von Firmenfahrzeugen nach 1%-Regel die steuerliche Sachleistung auf ein Viertel reduziert. Leider führt diese Über-Förderung auch dazu, dass der nach wie vor überhöhte Preis der technisch gegenüber Verbrennern erheblich vereinfachten E-Antriebe von der Industrie gehalten werden kann.

Vielleicht entscheidendes Hemmnis ist die bisher relativ kurze Reichweite der E-Fahrzeuge. Deshalb wäre es empfehlenswert, zunächst hauptsächlich die Fahrzeuge auf E-Antrieb umzustellen, die überwiegend im Nahbereich unterwegs sind, mit kleinen Reichweiten (ggf. sogar unter 150 km) auskommen und lokal (möglichst Sektor-gekoppelt aus eigener PV) geladen werden können. Dabei reicht eine langsame einphasige Ladung mit 2,2 kW meist völlig aus, wenn die Fahrzeuge nachts und/oder während der stationären Arbeitszeit auf dem Firmenparkplatz geladen werden.

Besonders für die heimische Ladung gibt es aber Stolpersteine, und zwar nicht nur für Mieter von Wohnanlagen ohne entsprechende Lade-Infrastruktur. Betroffen sind auch Hausbesitzer, eventuell sogar mit eigener PV-Anlage, wenn das Fahrzeug nicht unmittelbar am Gebäude geparkt werden kann. Das trifft für viele Quartiere mit gemeinsamen Innenhöfen, vielleicht über 100 m nur fußläufig erreichbare Häuser oder abgesetzte Garagenblöcke zu. Solche Grundstücke gibt es zuhauf –und es gibt hier nur zwei Lösungsmöglichkeiten:

1. Die Fuß-Zuwegung ist breit genug, dass man E-Autos die Zufahrt zum Gebäude gewährt. Bei einem bekannten Beispiel-Fall wurde das trotz vorhandener Möglichkeiten mit fadenscheinigen Gründen abgelehnt. Leider gibt es in Deutschland immer Gesetze oder lokale Regelungen, die solche vernünftigen und fortschrittlichen Lösungen verhindern.

2. Das erforderliche Kabel kommt zum Auto. Dafür bedarf es der Zustimmung aller anderen betroffenen Anlieger (fast unmöglich, weil immer einer blockiert) und eines kostenintensiven Netzzugangs seitens des Netzbetreibers, der es sich im o.g. Fall mit 12 x 2.000 € vergolden lassen wollte. Das ist definitiv nicht umsetzbar.

Also müssen gesetzliche Regelungen einer Umsetzung solcher Lösungen Vorrang einräumen. Stattdessen werden Ladestationen und Wallboxen (über-)subventioniert, die eigentlich gar nicht erforderlich wären (s.o., langsame Ladung mit 2,2 kW aus der normalen 230V-Steckdose) und/oder - wie die E-Fahrzeuge selbst - für die Minimalelektronik zu Apothekenpreisen von den Herstellern angeboten werden. Es ist ein Skandal, dass der Zugang zu öffentlichen Ladestationen an Autobahnen, in Städten, an Tankstellen oder Supermärkten immer noch nicht einheitlich geregelt ist. Wer auf Nummer Sicher gehen will, schleppt bis zu 20 Kundenkarten dafür mit sich herum. Warum werden die einheitliche Bezahlung mit jeder beliebigen EC- oder Kreditkarte und ein maximaler Aufschlag auf den örtlichen Strompreis nicht vom Gesetzgeber vorgeschrieben?

All das zeigt: Selbst, wenn E-Mobilität nicht das größte Rad ist, an dem wir drehen müssen – Handlungsbedarf besteht in jedem Fall!

Claus P. Baumeister ist IT-Unternehmer, informatisch-technisch-naturwissenschaftlicher Generalist, approbierter Arzt und seit 2019 Mitglied im Kuratorium von EUROSOLAR.