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EUROSOLAR NEWSLETTER Januar

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freundinnen und Freunde von EUROSOLAR,

wir wünschen Ihnen ein frohes und erneuerbares Jahr – na, sogar Jahrzehnt! – und hoffen, dass Sie ebenso erholt und motiviert aus der feiertäglichen Auszeit gekommen sind wie wir. Mit dem neuen Jahr laufen die Vorbereitungen für unsere nächste und größte Konferenz, die International Renewable Energy Storage, kurz IRES (vom 10. bis 12. März in Düsseldorf) bereits auf Hochtouren. Noch immer warten wir vergeblich auf ein Kohleausstiegsgesetz und schütteln den Kopf über nationale und internationale Energie- und Geopolitik. Die jüngsten Eskalationen im Nahen Osten zeigen aus unserer Sicht einmal mehr: Nur eine weltweit dezentrale, demokratische und vollständig erneuerbare Energieversorgung kann die Zukunft sein. Einige Ideen, wie der Weg dahin aussehen kann und weitere Neuigkeiten lesen Sie im Folgenden.

Viel Vergnügen bei der Lektüre wünscht

Ihr EUROSOLAR-Team

IRES 2020 – Jetzt Early Bird Rabatt sichern!

Das Jahr hat gerade begonnen und die Vorbereitungen für die 14. International Renewable Energy Storage Conference (IRES) sind in vollem Gange. Auch der Ticketshop ist bereits geöffnet. Wer sein Ticket bis zum 17. Februar bucht, profitiert vom Frühbucherrabatt. Und mehr noch: EUROSOLAR-Mitglieder erhalten weitere 20 Prozent Nachlass auf den Ticketpreis. Das IRES/ESE-Ticket umfasst den vollen Zugang zu beiden Konferenzen, zu der Messe- und Posterausstellung sowie zu den Netzwerk-Events an den Abenden des 10. und 11. März. Kurzum: Alles, was im Rahmen der IRES/ESE geboten wird.

Der Klimaschutz und die Dekarbonisierung von Wertschöpfungsketten mithilfe von Energiespeichern und Erneuerbaren Energien sind Fokusthemen der 14. IRES. In diesem Jahr liegt das besondere Augenmerk auf Thermischen Speicheroptionen. Forschende auf dem Gebiet der Energiespeicher sind herzlich eingeladen, bis zum 1. Februar einen Abstract für die Posterpräsentation auf www.energystorageconference.org einzureichen. Vollständige Paper können bis zum 10. März 2020 für die IRES 2020-Proceedings eingereicht werden.

Weitere Informationen finden Sie auch hier.

Von Australien und der Klimakrise

Australien brennt. Seit Wochen schon wüten Feuer ungekannten Ausmaßes auf dem fünften Kontinent und fordern Dutzende menschliche und zig Millionen tierischer Todesopfer. Dabei ist der Sommer auf der Südhalbkugel noch lange nicht zu Ende. Die verheerenden Buschfeuer in Down Under sind nur das letzte Glied einer Kette von Brandkatastrophen, die im vergangenen Jahr verschiedene Erdteile gebeutelt haben: Auch die Brände im Amazonasgebiet, Indonesien und der Arktis machten weltweit Schlagzeilen. In Syrien verbrannten letztes Frühjahr große Areale Ackerland und brachten Sorgen um die Lebensmittelversorgung mit sich.

Selbst, wenn diese Art Naturereignisse nicht direkt auf den Klimawandel zurückzuführen sind: Die globale Erwärmung bereite auf jeden Fall den Weg für extreme Trockenzeiten, höhere Temperaturen und längere Perioden ohne Niederschlag, erklärt Johann Georg, Direktor des Zentrums für globale Feuerüberwachung (GFMC) im Interview mit Zeit Online. „Genau das sehen wir aktuell in Australien, und wir haben es auch 2018 und 2019 in Deutschland erlebt. Die Erderwärmung macht Landschaften anfälliger für Katastrophen. Wenn es brennt, sind die Probleme heute größer als früher“, so der Experte.

Derart großflächige Brände sind jedoch nicht nur Symptom der voranschreitenden Klimaerhitzung, sie befeuern diese auch noch im wahrsten Sinne des Wortes: Die Feuer in Australien haben zum Jahreswechsel bereits halb so viel CO2 in die Erdatmosphäre emittiert wie die Wirtschaft des Landes in einem ganzen Jahr. Ein Umdenken findet bei der dortigen Regierung bislang jedoch nicht statt. Premierminister Scott Morrison macht keine Anstalten, von der Kohle-Politik seiner Partei abzuweichen. Im vergangenen Sommer erst ist eine der größten Kohleminen des Landes genehmigt worden. Hier könnte der indische Konzern Adani die weltgrößte Steinkohlemine entwickeln, die den klimaschädlichen Rohstoff sowohl unter als auch über Tage fördert.

Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Konzernen, die um ihre Reputation fürchten, will Siemens bislang an der Kooperation mit Adani festhalten und die Signalanlage für deren Gleise bereitstellen. Das bringt dem deutschen Konzern die Kritik der jungen Klimaaktivisten von Fridays for Future ein, die für den morgigen Freitag Streiks vor Siemens-Büros im ganzen Land angekündigt haben.

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Vom Wut- zum Windbürger

Während das Kohleausstiegsgesetz auch im neuen Jahr noch immer auf sich warten lässt, was sogar NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet in die Position bringt, mehr Tempo fordern zu können (!) und der Etat für Energieforschung gekürzt wird, scheint sich doch etwas zu tun: So werden in der SPD zum Beispiel erste Stimmen laut, die sich für eine deutschlandweite Photovoltaik-Pflicht einsetzen. Und auch für die Akzeptanzsteigerung bei Windkraft gibt es zur Abwechslung einmal einen Vorschlag, der nicht gleich zum Haare raufen reizt: Matthias Miersch sprach sich zu Jahresanfang im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung für ein „Windbürgergeld“ aus. Etwa 10.000 Euro könnten pro Jahr für jedes neue Windrad von den Betreibern eingezogen und an die benachbarten Bürgerinnen und Bürger verteilt werden. Konkret fordert Miersch, dass die Windparkbetreiber ein bis zwei Prozent ihrer Erträge jährlich für die Akzeptanzmaßnahme abführen.

Ganz neu ist diese Idee nicht: In Brandenburg hatte die Koalition von SPD, Linke und Grünen schon im Sommer eine ähnliche Regelung erlassen. Hier müssen Betreiber 10.000 Euro jährlich pro Windrad an die benachbarten Kommunen zahlen. Unterstützung erhält der Vorstoß von der Parteispitze. Auch Grünen-Politiker Oliver Krischer lobte die Idee. Für ihren Erfolg müsse die Regierung allerding auch die geplante pauschale Abstandsvorgabe von 1.000 Metern zu jeglicher Wohnbebauung aufgeben. Damit werde das SPD-Windbürgergeld eine Unterstützung für die Grünen-Idee einer „Windprämie“. Kritik hingegen äußerte Energiewende-Vordenker Franz Alt. Es dürfe nicht sein, dass Bürger für die Akzeptanz ihrer eigenen Infrastruktur jeweils mit Geld belohnt werden müssten.

Auch Jörg Sommer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Umweltstiftung und Gründungsdirektor des Berliner Instituts für Partizipation lehnt den Vorschlag ab: Das „Windbürgergeld“ könne die Spaltung der Gesellschaft noch vertiefen. Etwa, weil manche Anwohner Geld erhielten, andere, die nur ein paar Meter weiter wohnen, aber nicht. Zudem würde der Gesetzgeber durch die Zahlungen an Einzelne den gesellschaftlichen Trend verstärken, der persönliche, egoistische Interessen über das Gemeinwohl stelle. Besser sei es, den Kommunen Geld zu bieten und so Kompensation zu leisten, die den Zusammenhalt der Menschen vor Ort fördere.

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Von der gestrichenen Energieforschungsförderung

Bereits im letzten November sei in der Haushaltssitzung des Bundestages beschlossen worden, die Förderung der Energieforschung zugunsten der Digitalisierung drastisch zu senken. Das berichtete der Tagesspiegel Background Ende letzter Woche. Eckhardt Rehberg, haushaltspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, hatte dem Medium erklärt, warum die geplanten Haushaltsmittel ab 2021 deutlich reduziert werden: So sei „alles andere als wenig Geld für Forschung“ ausgegeben worden. Es gebe mehr als 4.000 laufende Energieforschungsprojekte, doch die Erfahrung zeige, dass viele ihrer Ergebnisse in der Schublade verschwinden. Deshalb solle in Zukunft ein stärkerer Fokus auf real umgesetzte Projekte – wie etwa die momentan laufenden Reallabore – gelegt werden, um CO2 einzusparen. Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) äußerte sich bislang nicht zu diesen Aussagen. Obwohl es zu Jahresanfang auf dem Kurznachrichtendienst Twitter verlauten ließ „Die Haushaltsmittel für die Energieforschung sind auch in den kommenden Jahren auf dem gleichen Niveau“, zeigt Drucksache 19/13924, dass die Förderung der Energieforschung stark abgesenkt wird.

Ein weiteres trauriges Signal einer Bundesregierung, die keine Gelegenheit auslässt, sich öffentlichkeitswirksam mit ihren angeblichen Klimaschutzbemühungen zu rühmen. Hinter den Kulissen jedoch konterkariert sie die dezentrale Energiewende, die entscheidend für die Abwendung der Klimakatastrophe ist. Dabei spielt eine starke, energiewendebezogene Forschung eine zentrale Rolle. Diese braucht zuverlässige Rahmenbedingungen, um Technologien zur Energieerzeugung, Speicherung, Energieeffizienz und Netzinfrastruktur in angemessen hohem Tempo weiterzuentwickeln.

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Von Fossilen zu Erneuerbaren

Zum Jahresanfang veröffentlichte das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) die Jahresauswertung seiner Energy Charts. Das Ergebnis: Der Anteil Erneuerbarer Energien an der Nettostromerzeugung in Deutschland hat sich 2019 auf 46 Prozent gesteigert. Dabei legte die Windkraft mit 17,3 Terrawattstunden (TWh) zusätzlicher Erzeugung am meisten zu. Photovoltaik (PV) kommt mit 46,5 TWh auf neun Prozent der Nettostromerzeugung – laut Energy Charts ein Anstieg um rund 1,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Am 19. April konnte PV mit 33 Gigawatt sogar 48 Prozent der gesamten Erzeugung ausmachen. Ein erfreulicher Trend, lag die Stromerzeugung auf PV-Anlagen zwischen März und September stetig über der von Steinkohlekraftwerken.

Prozentual machte die Wasserkraft 2019 unter den Erneuerbaren den größten Sprung: 19,2 TWh trug sie zur Nettostromerzeugung bei. Biomasse lag mit 44 TWh sogar etwas unter dem Vorjahresniveau. Unterm Strich kamen die Erneuerbaren auf knapp 237 TWh Strom und legten damit sieben Prozent zu. Die Statistik von Energy Charts bezieht sich auf die Nettostromerzeugung, also den Strommix, der tatsächlich aus der Steckdose kommt. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung (ZSW) hatten Ende vergangenen Jahres ihre erste Schätzung für den Bruttostromverbrauch 2019 in Deutschland veröffentlicht. Dabei lag der Anteil der Erneuerbaren mit einer Erzeugung von rund 244 TWh bei 43 Prozent.

Der gestiegene Anteil Erneuerbarer bedeutet aber noch lange nicht, dass das Verhältnis von installierter PV- und Windkraftleistung in der Bundesrepublik optimal ist. Das sieht auch Simone Peter vom Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) so. Neben dem lachenden Auge gebe es auch ein weinendes, denn ein Masterplan für den eklatanten Einbruch bei Windenergie an Land sei noch immer nicht vorgelegt. Darüber hinaus fehle ein Zeit- und Mengengerüst für das Ziel von 65 Prozent Erneuerbarer im Stromsektor bis 2030, so die BEE-Präsidentin. Ambitionierte Ausbaupfade für Photovoltaik oder Bioenergie seien notwendig, ebenso wie Perspektiven für Anlagen, die ab nächstem Jahr aus der EEG-Förderung fielen.

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Von der Atomkraft zur Vernunft

Dass selbst in den heißesten Klimaschutzdebatten die lebensgefährliche Atomkraft niemals als Alternative oder Ergänzung zu Erneuerbaren Energien ins Feld geführt werden darf, müssen wir den geneigten Leserinnen und Lesern des EUROSOLAR-Newsletters wohl nicht erzählen. Deshalb ist auch die folgende Nachricht eine erfreuliche: Mit dem schweizerischen AKW Mühlenberg, Ringhals II in Schweden und Philippsburg II in Baden-Württemberg wurden im vergangenen Monat drei europäische Atomkraftwerke stillgelegt.

„Entgegen den selbst von der Ludwig-Maximilians-Universität München und sogar der Süddeutschen Zeitung transportierten Propagandaaussagen von Prof. Sinn vom Münchner Ifo-Institut werden nicht viele neue AKW in ‚der Welt gebaut‘“, schreibt Raimund Kamm, Vorstand des Vereins FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V. in einer Rund-Mail. Der ehemalige Ifo-Chef Sinn hatte bei einem Vortrag im Rahmen der Reihe „Münchener Seminare“ gefordert, über einen Wiedereinstieg in die Atomkraft nachzudenken. Das Schlimme daran: Sinn ist bei Weitem nicht der Einzige, der öffentlich über ein Wiederaufleben der absurd teuren und riskanten Form der Energiegewinnung nachdenkt. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel ließ sichauf dem Titel der Ausgabe 51/2019 zum Abdruck der Zeile „Atomkraft? Ja bitte“ hinreißen. Im entsprechenden Artikel stellt der Autor neue Reaktoren als Zukunftschance zur Diskussion.

Solch rückwärtsgewandte Forderungen dürfen im Jahr 2020 keinen Raum mehr bekommen. Denn, um mit Hermann Scheer zu sprechen: "Die Atomenergie ist das vermessenste Projekt der Zivilisationsgeschichte.“

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Abgabe auf fossilen Kohlenstoff statt CO2-Bepreisung

Das von der Bundesregierung beschlossene Klimapaket gleicht einer Veranstaltung, bei der die Eintrittskarten erst am Ausgang zu unterschiedlichen Preisen verkauft werden. Je nach Geschlecht, Alter, Religion, Beruf usw. werden unterschiedliche „Austrittsgebühren“ erhoben, obgleich alle die gleiche Veranstaltung genossen haben. Die eigentliche Ursache für die Klimaerwärmung ist nicht das bei der Verbrennung entstehende Kohlendioxid, sondern der Einsatz von fossilem Kohlenstoff, der mit den Energieträgern Kohle, Erdöl und Erdgas in den Wirtschaftskreislauf gelangt und in Kraftwerken, Motoren, Heizkesseln oder Flugtriebwerken zu Kohlendioxid verbrannt wird. Mit einer „Klimaschutzabgabe“ auf den fossilen Kohlenstoff ließe sich die Ursache der Klimaerwärmung elegant, gerecht und universell bepreisen.

Diese Abgaben sollten nicht als Steuer in den grossen Topf, sondern zweckgebunden in einen „Klimafond“ fliessen, aus dem Massnahmen gegen die Klimaerwärmung oder die Kosten der Energiewende finanziert werden. Das Problem wird also schon vor der Entstehung des Klimagases gelöst, also auch vor dem Einflussbereich der Lobbyisten und vor den Bemühungen der Parteien um Wählerstimmen. Da aus jeder Tonne Kohlenstoff 3.67 Tonnen Kohlendioxid entstehen, entspricht eine Klimaschutzabgabe von 100 Euro pro Tonne Kohlenstoff einem CO2-Preis von etwa 27 Euro pro Tonne. Der klimaneutrale Kohlenstoff von Biomasse bleibt unbelastet. Die Energiewirtschaft wird die Preise für Heizöl, Kraftstoffe und Kohlestrom anpassen. Erst dann werden soziale Unverträglichkeiten erkennbar, die mit Mitteln aus dem Klimafond angemessen kompensiert werden sollten.

Mit einer solchen Regelung hätte Deutschland ein weltweit beachtetes Zeichen für den Kampf gegen die Klimaerwärmung setzen können. Die Klimaschutzabgabe auf den fossilen Kohlenstoff könnte man analog zur Verzollung mit geringstem administrativem Aufwand erheben und sie könnte sofort per Verordnung und ohne spekulative Diskussionen über mögliche Auswirkungen umgesetzt werden. Das beschlossene Klimapaket lässt keine große Linie erkennen und wird vom Volk nur mit heftigem Kopfschütteln bedacht. Weshalb so unverständlich kompliziert, wenn es auch einfach geht?

Dr. Ulf Bossel, Berater für nachhaltige Energielösungen