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Erderwärmung: Mitten in einer Diskussion über den Klimawandel? Das können Sie sagen: 'Es gibt noch immer warme Sommer und kalte Winter. Falsch ist aber, dass dies heißt, es verändere sich daher nichts.'

Die Erde erwärmt sich. Das steht fest. Doch es gibt immer noch Skeptiker. Welches Halbwissen kursiert und wie Sie dagegenhalten können.

Mitten in einer Diskussion über den Klimawandel? Das können Sie sagen: "Es gibt noch immer warme Sommer und kalte Winter. Falsch ist aber, dass dies heißt, es verändere sich daher nichts." © Gary Waters/Ikon Images/Getty Images

Der Klimawandel ist real und die Menschheit beschleunigt ihn. Das gilt aufgrund zahlreicher Studien, Analysen und Modelle als sicher. Aktuell ist sich die überwältigende Mehrheit von Klimaforscherinnen und Wissenschaftlern einig, dass die globale Durchschnittstemperatur in diesem Jahrhundert vermutlich um zwei bis vier Grad Celsius steigen wird (Climate Change 2013: IPCC, 2016). Dennoch wird ihre Expertise, zahlreiche Analysen und die Auswertung gigantischer Datenmengen zu klimatischen Veränderungen immer wieder infrage gestellt. Diese Stimmen sind vereinzelt, doch sie sind häufig zu hören, weil prominente Politiker und öffentliche Personen ihnen unnötig viel Bedeutung beimessen.

Zur kleinsten Gruppe zählen hier Menschen, die den  Klimawandel schlicht leugnen. Sie stellen grundsätzlich infrage, dass sich die gesamte Erde erwärmt. Etwas mehr bezweifeln zumindest, dass die Erderwärmung menschengemacht ist. Noch mehr möchten das komplizierte Thema nur besser verstehen, Halbwissen von gesicherten Erkenntnissen unterscheiden.

Wie begegnet man also Menschen, die mit vermeintlich guten Gründen argumentieren, der Klimawandel sei fragwürdig? Was würden Forscherinnen und Forscher ihnen entgegenhalten? Und was können Sie antworten?

Übersicht:

1. Der Klimawandel findet statt

Doch was der Skeptiker behauptet: Im Sommer ist es halt mal richtig heiß. Im Winter wiederum mal kalt, mal eisig – oder erinnern Sie sich etwa nicht mehr an den Schnee vergangenes Jahr? Das ist das Wetter. Es gibt keinen Klimawandel. Punkt.

Das sagt der Wissenschaftler: Das Wetter ist der Zustand der Atmosphäre zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort. Das Klima wiederum ist das durchschnittliche Wetter über einen längeren Zeitraum betrachtet, etwa 30 Jahre. Aus einem einzelnen Ereignis lässt sich also nur selten auf das Klima schließen. Doch mittlerweile lässt sich nachweisen, dass Temperaturextreme oft mit den zusätzlich in die Atmosphäre gepumpten Treibhausgasen zusammenhängen. Wetter ist weiterhin nicht gleich Klima – doch das Klima beeinflusst das Wetter, und das lässt sich belegen.

Betrachten wir die Entwicklung der globalen Temperaturen von Januar 1850 bis 2017 in Relation zum Mittelwert von 1850 bis 1900, dann zeigt sich: In den vergangenen Jahrzehnten wurde unser Planet immer schneller wärmer. Die globale Temperatur an Land wie in den Ozeanen lag 2017 nur knapp unter dem Rekordwert von 2016. Die zehn heißesten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen finden sich alle in den vergangenen 20 Jahren (BAMS: NOAA, 2018). Und nicht nur das: Auch hat die Menschheit im vergangenen Jahr die größte Menge an  Treibhausgasen seit Beginn der Messungen ausgestoßen. Damit ist sie mitverantwortlich für die Veränderungen.

Das können Sie sagen: Ein Teil der Aussage ist richtig. Es gibt noch immer warme Sommer und kalte Winter. Falsch ist aber, dass dies heißt, es verändere sich daher nichts. Über einen längeren Zeitraum von ein paar Jahrzehnten betrachtet zeigt sich: Im Jahresdurchschnitt steigen die Temperaturen aufgrund von mehr Treibhausgasen in der Atmosphäre. Langsam, aber so deutlich erkennbar, dass eindeutig eine Erderwärmung stattfindet. Außerdem werden extreme Wetterlagen häufiger. Dies lässt sich zählen. Wie extrem sie werden? Das ist noch unklar.

2. Hinweise lassen keinen Zweifel an der Erderwärmung

Doch was der Skeptiker behauptet: Klimaforscher sind sich doch selbst nicht sicher, ob sich die Erde erwärmt. In Studien schreiben Forscherinnen und Forscher andauernd so etwas wie "deutet darauf hin", "wahrscheinlich", "Hinweise auf". So viel zur Wahrheit des Klimawandels!

Das sagt der Wissenschaftler: Die Wissenschaft kennt keine unumstößliche Wahrheit. Forscher zu sein bedeutet, Belege immer wieder zu hinterfragen, zu verifizieren, zu falsifizieren und dadurch Erkenntnisse zu verfeinern. Alles so unabhängig und transparent wie möglich. Eine Studie allein hat dabei nur eine bedingte Aussagekraft – selbst wenn sie sauber durchgeführt und ihre Methode und Ergebnisse von unabhängigen Fachkollegen geprüft wurde. Damit sind Irrtümer zwar nicht ausgeschlossen, das System ist aber langfristig auf Selbstkorrektur angelegt, wie es eine gute wissenschaftliche Praxis vorsieht.

In der Klimaforschung ist all das gegeben. Tausende beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen seit Jahrzehnten Klimaschwankungen und wie die Sonnenaktivität, Erdumlaufbahn, Vulkanausbrüche, El-Niño-Ereignisse oder Ähnliches damit zusammenhängen. Öffentlich zusammengefasst und eingeordnet wird all das unter anderem in den Berichten des Weltklimarats IPCC.

Das können Sie sagen: Wissenschaft an sich beweist nichts, das ist auch nicht ihr Ziel. Forscherinnen und Forscher sammeln Belege, Daten und Hinweise, die sie immer wieder prüfen und neu hinterfragen. Zusammengenommen weisen die Erkenntnisse aus diesem Prozess in eine eindeutige Richtung: Der Klimawandel findet statt und der Mensch treibt ihn mit dem Ausstoß unter anderem von Kohlendioxid dramatisch an.

3. Die Naturgesetze beweisen den Klimawandel

Doch was der Skeptiker behauptet: Schön und gut, aber es ist unmöglich, die Menschheit für die  Erderwärmung verantwortlich zu machen. Belegen Sie mir erst mal, dass unser CO2-Ausstoß den Klimawandel beschleunigt.

Das sagt der Wissenschaftler: Die unverfälschbaren Naturgesetze, nach denen die Welt funktioniert, erklären den Prozess ganz klar.

Das Klima als mathematische Zusammenfassung des Wettergeschehens hat und wird sich ändern, über alle Zeiten hinweg. Interessant sind aber die Ursachen, warum sich etwas ändert. Das nennt sich Entropie, die durch den Zeitfluss des Universums eine extrem wahrscheinliche Richtung aufweist.

Wir wissen, wie viel Kohle, Öl und Gas die Menschheit in etwa verbrennt. Daraus lassen sich die vom Menschen verursachten Kohlendioxidemissionen berechnen. Die Zunahme der Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre wird an zahlreichen Messstationen weltweit präzise registriert; sie ist von etwa 280 ppm (parts per million) zu Beginn der Industrialisierung bereits auf über 400 ppm angestiegen. Der beobachtete jährliche Zuwachs stimmt gut mit den vom Menschen verursachten Emissionen überein, wenn man berücksichtigt, dass knapp die Hälfte des von uns ausgestoßenen Kohlendioxids von den Ozeanen und von Pflanzen aufgenommen wird. Seit dem 19. Jahrhundert wissen wir, dass Kohlendioxid Wärmestrahlung absorbiert und daher als Treibhausgas wirkt. Wegen der Zunahme von Kohlendioxid würde man also eine Erwärmung erwarten, die man auch tatsächlich in Temperaturmessdaten direkt erfasst (Eos, Transactions American Geophysical Union: Showstack, 2013Earth Syst. Sci. Data: Quéré et al., 2018 & PNAS: Hansen et al., 2006).

Das können Sie sagen: Ohne die menschliche Aktivität, insbesondere die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas, lassen sich die beobachteten Veränderungen im Klimasystem nicht erklären. Sie heizen das Klima zusätzlich an, weil sie den natürlichen Treibhauseffekt verstärken. Dieser resultiert daraus, dass die kurzwellige Sonnenstrahlung die Atmosphäre fast ungehindert bis zur Erdoberfläche durchdringen kann, die von der Erdoberfläche ausgehende langwellige terrestrische Strahlung aber bevorzugt von den Treibhausgasen in Wärme umgewandelt wird.

4. Die jetzigen Klimaveränderungen sind unnatürlich

Doch was der Skeptiker behauptet: In den 4,6 Milliarden Jahren, in denen es die Erde gibt, hat sich ihr Klima ständig verändert. Hohe Kohlendioxidkonzentrationen in der Atmosphäre sind schon früher nach einer Erwärmung aufgetreten. Der Mensch hat damit nichts zu tun.

Das sagt der Wissenschaftler: In der Erdgeschichte hat sich das Klima in der Tat ständig verändert. Allein in den vergangenen 650.000 Jahren gab es sieben Zyklen, in denen es mal wärmer, mal kälter war, es also Warm- und Eiszeiten gab. Das erklärt sich unter anderem mit einer langsam intensiver werdenden Sonneneinstrahlung oder einer Verschiebung der Kontinente, wie Klimaforscherinnen und Klimaforscher etwa anhand von Meeres- und Eisbohrkernen gemessen haben.

Daraus folgt nicht, dass der heutige Klimawandel nicht auf den Menschen zurückzuführen ist. Zudem war das Klima in den vergangenen Jahrtausenden, in denen menschliche Zivilisationen ihre Blütezeit erreicht haben, vergleichsweise stabil. Die heutige Erwärmung läuft weit schneller ab als frühere Temperaturänderungen, sodass sich beispielsweise Ökosysteme nicht schnell genug anpassen können (Macmillan: Ruddiman, 2001). Der Vergleich mit früheren Warmzeiten ist daher unzulässig.

Es gibt unzählige Belege dafür, dass die Verbrennung von Kohle und Erdöl zu dem rasanten, andauernden Anstieg geführt haben, den Forscher heute verzeichnen (siehe etwa Nature Geoscience: Le Quéré et al., 2009 & PNAS: Josep Canadell et al., 2007 & NOAA Earth System Research Laboratory).

Das können Sie sagen: Wesenszug des Klimas ist Veränderung. Doch das, was wir seit wenigen Jahrzehnten beobachten, ist unnatürlich. Die Hauptursache für die Erwärmung ist die steigende Menge von Treibhausgasen in der Atmosphäre. Der Anstieg von Kohlendioxid wiederum geht auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe zurück. Und für die ist die Menschheit verantwortlich.

5. Vulkane sind als CO2-Schleudern unbedeutend

Doch was der Skeptiker behauptet: Selbst wenn der Mensch die CO2-Konzentration in der Atmosphäre erhöht, dürfen Sie Vulkane nicht außer Acht lassen. Die schleudern jedes Jahr weit mehr Kohlendioxid in die Luft als die gesamte Menschheit.

Das sagt der Wissenschaftler: Diese Behauptung ist unhaltbar, gemessen an den Aufzeichnungen der weltweiten CO2-Messstationen. Wäre es so, müssten Ausbrüche als starke Ausreißer in den Auswertungen zu sehen sein. Das ist nicht der Fall. Was sie zeigen: den Anstieg von CO2 aufgrund von Menschen verursachter Emissionen (Transactions American Geophysical Union: Gerlach, 2011CDIAC: Burton et al., 2013).

Das können Sie sagen: Das ist falsch und das Gegenteil ist richtig. Keine Messung belegt, dass Vulkanausbrüche einen solchen Einfluss haben. Sie sind nicht mal klar als Schwankung in den präzisen Messkurven der vergangenen Jahrzehnte zu erkennen.

6. Kohlendioxid ist das bedeutendste Treibhausgas

Doch was der Skeptiker behauptet: Wir reden hier die ganze Zeit von Kohlendioxid. Was aber ist mit Methan? Was ist mit Distickstoffoxid? Oder Wasserdampf? Diese natürlichen Treibhausgase haben auch einen Einfluss aufs Klima. Und sind die etwa menschengemacht?

Das sagt der Wissenschaftler: Die Erdatmosphäre enthält einen natürlichen Anteil an Treibhausgasen, die Wärmestrahlung der Sonne aufnehmen und einerseits zur Erde leiten, andererseits ins All. Ohne sie wäre unser Planet völlig vereist. Dazu gehören Wasserdampf, Kohlendioxid, Methan (CH4), Distickstoffmonoxid (N2O) und Ozon (O3). Sie sorgen für den natürlichen Treibhauseffekt, wobei der Wasserdampf ausschlaggebend ist. Er sorgt zu etwa zwei Dritteln dafür, dass die Erde seit Jahrmillionen überhaupt bewohnbar ist.

Anders ist es aber beim menschengemachten Treibhauseffekt. Das Kyoto-Protokoll nennt sechs Treibhausgase, mit denen der Mensch auf das Klima einwirkt: Kohlendioxid, Methan und Distickstoffmonoxid sowie drei fluorierte Treibhausgase (F-Gase). Kohlendioxid ist dabei entscheidend, nicht Wasserdampf. Auch wenn Letzterer unter bestimmten Bedingungen die Erwärmung verstärken kann.

Unter den menschengemachten Treibhausgasen gilt Methan nach Kohlendioxid als zweitwichtigstes. Es stammt beispielsweise aus der Landwirtschaft oder wird freigesetzt, wenn Wälder abbrennen. Ein einzelnes Methan-Molekül hat eine 25-mal so starke Treibhauswirkung wie ein Kohlendioxid-Molekül, es ist allerdings nicht so langlebig. Seit Mitte der Achtzigerjahre ist die Konzentrationen von Methan weltweit insgesamt gestiegen (Nature: Bousquet et al., 2006).

Distickstoffoxid, auch Lachgas genannt, gilt sogar als rund 300-mal so klimaschädlich wie Kohlendioxid. Es kommt in der Atmosphäre allerdings nur in Spuren vor. Durch stickstoffhaltige Düngemittel in der Landwirtschaft und die chemische Industrie gelangt es beispielsweise in die Umwelt.

Das können Sie sagen: Ohne den natürlichen Treibhauseffekt wäre Leben auf der Erde, wie wir es kennen, unmöglich. Wasserdampf ist hierbei entscheidend. Nicht jedoch für den menschengemachten Klimawandel: Bislang ist Kohlendioxid das bedeutendste Gas, das Menschen mittels Industrie- und Verbrennungsprozessen in die Atmosphäre einbringen.

7. Der Einfluss der Sonne ist nicht entscheidend

Doch was der Skeptiker behauptet: Schön und gut. Bleibt die Sonnenstrahlung. Sie ist der wesentliche Faktor bei Klimaänderungen. Je nachdem, wie stark sie ist, wird es halt wärmer oder kälter.

Das sagt der Wissenschaftler: Grundsätzlich hat die Sonne einen Einfluss auf das Klima der Erde. Im Lauf der Zeit strahlt sie tatsächlich mal stärker, mal schwächer. Forscherinnen und Wissenschaftler haben Zyklen entdeckt, die von Dekaden bis hin zu einigen Jahrtausenden dauern. Doch nach derzeitigem Wissen ist nur etwa ein Zehntel der heutigen Erderwärmung auf die Sonne zurückzuführen, anderslautende Behauptungen halten einer Prüfung nicht stand (siehe etwa Nature Geoscience: Huber & Knutti, 2011 & Journal of Geophysical Research: Benestad & Schmidt, 2009).

Hier ist erneut der bereits zuvor beschriebene, durch Kohlendioxid beeinflusste Treibhauseffekt zu nennen: Mehr CO2 in der Atmosphäre ist wie eine zusätzliche Decke auf dem Bett. Wie eine Decke Körperwärme hält, verringert das Gas in der Atmosphäre die Wärmestrahlung von der Erde in den Weltraum, sodass ein vorübergehendes Ungleichgewicht entsteht – die Temperatur bleibt nicht konstant, sondern steigt.

Das derzeitige Energieungleichgewicht tritt während eines solaren Minimums auf. Obwohl in den vergangenen Jahren vergleichsweise wenig Sonnenenergie auf die Erde eingetroffen ist, hat sich der Planet aufgeheizt. Der Einfluss der solaren Variabilität auf das Klima ist also geringer als der ansteigender Treibhausgase. Und: Auch wenn die Sonneneinstrahlung weiter abnimmt, weshalb die Temperatur auf der Erde sinkt, würde dies laut manchen Prognosen den Anstieg insgesamt bei Weitem nicht ausgleichen (Atmospheric Chemistry and Physics: Pavle et al., 2018).

Das können Sie sagen: Die Sonneneinstrahlung wirkt sich auf das Klima aus, das ist unbestritten. Doch ihr Einfluss auf die Erdtemperatur ist zu gering, um Ursache oder Lösung für das Problem zu sein, wie Modellrechnungen zeigen. Das Entscheidende ist, dass wegen menschlicher Aktivität mehr Energie und damit Wärme in der Erdatmosphäre verbleibt. So heizt sich der Planet auf.

8. Simulationen haben Defizite, sind aber keine Spekulation

Doch was der Skeptiker behauptet: Die Forscher immer mit ihren Modellen! Wie will man bitte das Klima vorhersagen, wenn schon die Wettervorhersage für drei Tage kaum stimmt? Was hier als Ergebnis verkauft wird, ist reine Spekulation.

Das sagt der Wissenschaftler: Wettervorhersagen funktionieren anders als Klimasimulationen. Das Wettergeschehen ist chaotisch. Bei der modellgestützten Wettervorhersage sind genaue Angaben von Druck, Wind und Temperatur im Hier und Jetzt enorm wichtig. Sie definieren den Anfangszustand. Von ihm ausgehend rechnen Meteorologen schrittweise in die Zukunft. Kleine Veränderungen in den Anfangsbedingungen können zu deutlich unterschiedlichen Wetterlagen nach einigen Tagen führen.

Der globale Klimazustand, vereinfacht gesagt das mittlere Wetter, ist hingegen durch die Randbedingungen bestimmt. Damit sind etwa die Konzentration von Treibhausgasen oder die Helligkeit der Sonne gemeint. Nun sind diese zukünftigen Entwicklungen nicht genau bekannt, es handelt sich um Annahmen. Daher sprechen Klimaforscherinnen auch ungern von Vorhersagen, sondern lieber von Projektionen. Sie präsentieren verschiedene mögliche Szenarien, die sich je nach den eingegebenen Daten unterscheiden. Sind die Szenarien deshalb unglaubwürdig? Nein. Denn die Daten, die einfließen, sind keine beliebig gewählten Werte. Gibt es Defizite? Sicherlich. Zukünftige Treibhausgasemissions­raten könnten viele unterschiedliche Verläufe nehmen. Zudem sind manche physikalischen Prozesse bisher noch nicht vollständig verstanden.

Die Szenarien mögen im Detail voneinander abweichen, das Ausmaß der Erwärmung nicht konkret zu benennen sein – alles andere wäre unglaubwürdig – doch alle deuten auf dasselbe hin: Die Welt erwärmt sich, und das hat Folgen, häufiger Starkregen in manchen und extreme Dürren in anderen Regionen etwa.

Das können Sie sagen: Die Methoden sind ähnlich, aber nicht dieselben. Wetter wird vorhergesagt, Klima simuliert. Die meisten Klimamodelle basieren auf den unverfälschbaren Naturgesetzen. Nicht die Physik der Modelle ist falsch, sondern die Rahmenbedingen sind schwer kalkulierbar, weil sie durch das Verhalten der Menschheit bestimmt werden. Deshalb berechnen Forscherinnen und Forscher unterschiedliche Szenarien, je nachdem, ob der Mensch beispielsweise den CO2-Ausstoß drastisch senkt oder nur in geringem Maße. Ändern sich die Bedingungen, verändern sich auch die Folgen für das Klima.

9. Extreme Wetterereignisse gibt es künftig häufiger

Doch was der Skeptiker behauptet: Mehr Hitze, Dürre, Starkregen und Überschwemmungen. Das alles klingt dramatisch. Solche Umweltkatastrophen will niemand. Forscher übertreiben aber die Gefahren, um mehr Geld für ihre Arbeit zu bekommen. Und wir wissen ja auch, dass sich von einem Einzelereignis nicht auf den Klimawandel schließen lässt.

Das sagt der Wissenschaftler: Sie meinen also, Klimaforscher hätten sich verschworen, um reich zu werden? Sie würden drastische Konsequenzen erfinden, um weiter forschen zu dürfen?

Die Klimawissenschaften werden aber nicht von einer kleinen organisierten Gemeinschaft betrieben. In diesem Bereich arbeiten und forschen Tausende Wissenschaftler von Instituten und Forschungseinrichtungen auf der ganzen Welt. Ein Teil davon arbeitet mit an den Berichten des Klimarates IPCC – übrigens rein ehrenamtlich, um Interessenkonflikte zu vermeiden, und in jedem Bericht ist die Zusammensetzung der Autorenschaft eine andere.

Außerdem lässt sich ein Teil der Forschungsergebnisse bereits praktisch überprüfen. Demnach haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler manche Folgen sogar nicht über-, sondern unterschätzt (etwa Journal of Geophysical Research: Rampal et al. 2011 & Nature Climate Change:Durack et al. 2014).

Fragen Sie doch mal die Landwirtinnen und Landwirte in Deutschland, wie übertrieben die Warnungen vor extremen Wetterlagen waren. Es ist klar: Der Klimawandel begünstigt Dürren und Starkregen. Klimaforscher erklären es damit, dass mit den höheren Temperaturen weit mehr Energie und Wasser in der Atmosphäre vorhanden sind. Je wärmer es wird, desto mehr Wasser kann die Atmosphäre aufnehmen. Künftig treten also öfter extreme Trockenheit, und Hitzewellen auf. Gleichzeitig stärkerer Niederschlag und extremere Stürme. Was oft untergeht: Auch die Winter werden wärmer.

Nicht nur die aktuelle Lage in Deutschland, auch die Hitzerekorde in Europa, in Argentinien, China und Korea sowie die Dürre in Ostafrika 2014 waren mit hoher Wahrscheinlichkeit durch den Klimawandel bedingt, wie aktuelle Analysen vermuten lassen. Weniger eindeutig ist die Lage bei den Winterstürmen und starken Regenfällen im Winter 2013/14 in Großbritannien (BAMS: NOAA, 2018).

In ein paar Jahren werden Wetterdienste wohl routinemäßig zusätzlich zur Vorhersage angeben können, ob und welchen Einfluss der Klimawandel auf die jeweilige Wetterlage hat (DIE ZEIT Nr. 32/2018). Möglich macht es die attribution science, in der Forscherinnen nicht fragen, ob der Klimawandel für ein Ereignis verantwortlich war, sondern ob ein Wetterereignis auch in einer Welt ohne globale Erwärmung aufgetreten sein könnte.

Das können Sie sagen: Sie stecken noch in den Neunzigerjahren fest. Damals ließen sich einzelne Extremwetterereignisse tatsächlich nicht dem Klimawandel zuordnen. Heute ist das in manchen Fällen möglich. Wovor Klimaforscherinnen und Klimaforscher lange nur gewarnt haben, findet nachweislich statt. Sie haben Fördergelder genutzt, um Thesen zu hinterfragen, die Schwächen zu erkennen und auszubessern. Das Ergebnis: Es ist so wie erwartet, in manchen Bereichen gar schlimmer.

(Übrigens: Mit Forschungsarbeiten, die dem menschengemachten Klimawandel widersprechen, ist viel mehr Geld zu verdienen als mit denen, die ihn bestätigen. Die Fossil-Lobby unterstützt solche Studien nämlich mit hohen Beträgen.)

10. Der Klimawandel ist keine Verschwörung, sondern Realität

Doch was der Skeptiker behauptet: Ich will nicht von einem Komplott sprechen, aber selbst bedeutende Wissenschaftler stellen die Arbeit ihrer Kolleginnen und Kollegen infrage. Widerworte werden nicht geduldet. Unabhängige Wissenschaft ist etwas anderes.

Das sagt der Wissenschaftler: Wie kommen Sie darauf? Innerhalb der Klimaforschung ist man sich einig, wie Auswertungen zeigen. Demnach bekräftigen mehr als 95 Prozent der Autorinnen und Autoren in ihren wissenschaftlichen Publikationen, dass es den menschengemachten Klimawandel gibt (Environmental Research Letters: Cook et al., 2016). Dem stimmen Wissenschaftsakademien aus 80 Ländern zu, außerdem viele weitere wissenschaftliche Organisationen.

Gleichzeitig gibt es zahlreiche ungelöste Fragen und aktive Debatten. Dabei geht es bloß nicht um die Frage an sich, ob die Erderwärmung real ist, sondern fachkundige Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft debattieren Details.

Um eine Studie zu zitieren, die sich mit dieser Frage beschäftigt hat: "Unter denen, die die Nuancen und die wissenschaftlichen Grundlagen von langjährigen Klimaprozessen verstehen, gibt es anscheinend so gut wie keine Debatte über die Tatsache der Erderwärmung und die Rolle der menschlichen Aktivitäten dabei" (Eos, Transactions American Geophysical Union: Doran & Zimmermann, 2009).

Das können Sie sagen: Die meisten Zweifler finden sich unter denen, die selbst nicht zu dem Thema forschen. Wer sich mit den Ursachen des Klimawandels intensiv auseinandersetzt, leugnet den Einfluss des Menschen nicht.

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