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Staffel 01, Folge 08

Die Modebranche leidet heftig unter der Corona-Krise. Hersteller wie Händler sitzen auf Millionen unverkaufter Kleidungsstücke. Eine ganze Saison droht wegzubrechen.

08 planet e. pandemie: Wie die Modebranche leidet

Immer mehr Kollektionen, immer schneller, immer billiger: Vor der Corona-Krise gehörte es zum Geschäftsmodell der Branche, den Konsum anzuheizen. Was Umweltschützer seit Langem kritisieren, wird jetzt zum existenziellen Problem.

Wohin mit nicht verkaufter Ware?

Während des Shutdowns waren die Geschäfte dicht, und selbst nach der Öffnung kaufen die Kunden deutlich weniger Kleidung. Die Folge: Die Händler bleiben auf der Frühjahrsmode sitzen. Der Handelsverband Textil hat Ende März 2020 vor "gigantischen Mengen unverkaufter Ware" gewarnt. Was passiert damit? Eine Möglichkeit: die nicht verkäufliche Neuware an Bedürftige zu spenden. Doch trotz Spende wird die Umsatzsteuer fällig. Dadurch ist Spenden für Unternehmen in der Regel teurer als Entsorgen. Die Entsorgungskosten für Neuware liegen laut einer Umfrage der Universität Bamberg im Schnitt bei weniger als einem Euro pro Artikel.

Unter Massen an Textilien leiden in der Corona-Krise nicht nur diejenigen, die sie produzieren und verkaufen. Die Altkleidercontainer sind so voll wie nie, weil viele die Zeit der eingeschränkten Kontaktmöglichkeit offenbar zum Aussortieren nutzen. Normalerweise werden die kostenlos eingesammelten Altkleider nicht nur auf dem Secondhandmarkt in Deutschland verkauft, tonnenweise gehen sie auch nach Osteuropa oder Afrika. Der Handel mit Altkleidern ist ein internationales Geschäft, und genau das wird jetzt in der Krise zum Problem: "Der globale Handel mit Secondhandbekleidung ist aufgrund von Grenzschließungen faktisch ausgesetzt", sagt Thomas Ahlmann von FairWertung. Die Folge: Auch bei gemeinnützigen Sammlern und Sortierbetrieben stapeln sich Berge von Textilien, die Betriebe geraten durch die Krise wirtschaftlich unter Druck. Das System der kostenlosen Altkleidersammlung ist in Gefahr.

Am schlimmsten aber leiden Menschen in den Produktionsländern. Tausende Mitarbeiter von Textilfabriken wurden im Zuge der Krise entlassen, weil westliche Unternehmen Aufträge storniert haben. Die weltweiten Lieferketten der Textilindustrie stehen schon lange in der Kritik wegen niedriger Löhne und Ausbeutung. Corona bringt sie zum Zusammenbruch.

"planet e. pandemie" forscht in der Modewelt nach und fragt, was die Branche tun kann, um langfristig mehr Nachhaltigkeit zu etablieren.

Beitragslänge: 28 min
Datum: 14.06.2020
Verfügbarkeit: Video verfügbar bis 14.06.2021
Produktionsland und -jahr: Deutschland 2020