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Der Club of Rome wirbt in seinem neuen Report für faire Steuersysteme und eine Halbierung des CO2-Ausstoßes alle zehn Jahre.

Ein Farmer in Sri LankaEin Farmer in Sri Lanka. Foto: afp

Vor 50 Jahren hat der damals noch kaum bekannte Thinktank „Club of Rome“ (CoR) seinen legendären Report „Grenzen des Wachstums“ vorlegt. Darin sagte er schwere ökonomische und ökologische Krisen im 21. Jahrhundert voraus, falls der weltweite Ressourcenverbrauch nicht gebremst würde. Am Mittwoch ist ein „Update“ des Berichts erschienen. Ergebnis: Die meisten der damaligen Warnungen treffen immer noch zu, und nur eine tiefgreifende wirtschaftliche Transformation kann die Megakrise noch verhindern. Dabei erscheint den Autoren der Studie die Verringerung der sozialen Ungleichheit als die schwierigste Aufgabe.

Der neue Bericht wurde am Mittwoch parallel zur Jubiläumsfeier des Clubs in Rom veröffentlicht. Die von dem Thinktank beauftragten Wissenschaftler untersuchen darin mit ihrem Computermodell „Earth 3“, ob und wie die 17 von den Vereinten Nationen aufgestellten Nachhaltigkeitsziele – zu Armutsbekämpfung, Gesundheit, Energieversorgung und Umweltschutz – tatsächlich erreicht werden können. Ihre gute Nachricht lautet, dass eine solche umwelt- und klimaverträgliche Entwicklung innerhalb der Belastungsgrenzen der Erde noch machbar ist. Allerdings funktionierte das nur in einem von vier errechneten Szenarien. Bei den anderen drei kam es über kurz oder lang zu einer Überschreitung dieser Grenzen, was zur Instabilität der lebenserhaltenden Systeme der Erde führen würde.

Ein Co-Autor des Reports, der Norweger Per Espen Stoknes, erklärte: „Die Lösung liegt in einem Wechsel zu unkonventionellen Strategien und Maßnahmen. Die Welt braucht tiefgreifende Veränderungen.“ Laut Report sind diese fünf Punkte entscheidend:

Halbierung der weltweiten CO2-Emissionen in jedem Jahrzehnt nach 2020. Dazu braucht es ein exponentielles Wachstum der erneuerbaren Energien.

Beschleunigter Übergang zu einer nachhaltigen, umwelt- und klimafreundlicheren Nahrungsmittelproduktion, um die für das Jahr 2050 erwarteten zehn Milliarden Menschen ernähren zu können.

Neue Entwicklungsmodelle für das Wachstum in den ärmeren Ländern, wofür Länder wie Südkorea, Äthiopien und Costa Rica gute Ansätze geliefert haben.

Aktive Verringerung der sozialen Ungleichheit durch ein faires Steuersystem in allen Ländern. Es müsse so sichergestellt werden, dass die reichsten zehn Prozent der Bürger nicht mehr als 40 Prozent der Einkommen erhalten.

Massive Investitionen in Bildung für alle, Gesundheit, Geschlechtergerechtigkeit und Familienplanung, um die Bevölkerungszahl möglichst schnell zu stabilisieren.

Die Autoren des Berichts sehen es dabei als schwierigste Aufgabe an, den Trend zu mehr Ungleichheit in den Gesellschaften wieder umzukehren. Im Energiesektor gebe es Anzeichen dafür, dass die Marktkräfte den Wechsel von fossilen zu den Öko-Energien rasant beschleunigen werden, und auch für eine nachhaltige Landwirtschaft gebe es bereits die notwendigen Methoden und Technologien. „Aber die Ungleichheit wird die härteste Nuss sein, die wir zu knacken haben“, sagte David Collste, ein Wissenschaftler vom Stockholm Resilience Centre, das die Studie zusammen mit der Norwegian Business School in Oslo geschrieben hat.

Ein weiterer Co-Autor des neuen Berichts, Professor Johan Rockström, verteidigte den ersten „Grenzen“-Report, der 1968 mit 30 Millionen verkauften Exemplaren in 30 Sprachen weltweit auf enorme Resonanz stieß, von Kritikern aber auch als übertriebene Untergangsprophezeiung bezeichnet wurde. Tatsächlich seien die „meisten ursprünglichen Schlussfolgerungen aus den ,Grenzen des Wachstums‘ immer noch gültig“, sagte der Forscher, der neuer Co-Chef des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung ist. „Das ist befriedigend für die Wissenschaft, aber nicht für die Gesellschaften.“

Joachim WilleVon Joachim Wille