Wirtschaft

Kommende Veranstaltungen

  • Der Rhein ist an vielen Stellen auf die niedrigsten Pegelstände gesunken, die bislang gemessen wurden.
  • In Düsseldorf etwa waren es am Freitag noch 36 Zentimeter, der bisherige Minusrekord aus dem Hitze-Sommer 2003 lag bei 40 Zentimetern.
  • Schiffe können den Fluss häufig nicht mehr oder nur noch mit wenig Ladung befahren. Für viele Industriebetriebe wird das zum Problem.

Von Janis Beenen, Düsseldorf

Deutschlands wichtigster Wasserstraße geht das Wasser aus. Nach monatelanger Dürre sind die Pegel an etlichen Abschnitten des Rheins so niedrig wie nie zuvor. In Düsseldorf etwa waren es am Freitag noch 34Zentimeter, der bisherige Minusrekord aus dem Hitzesommer 2003 lag bei 40Zentimetern. Und die Experten der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung prognostizieren: Es kommt noch heftiger. Bis Montag sind 25 Zentimeter möglich. Das bedeutet freilich nicht, dass man durch den Fluss spazieren kann. Der Pegel ist eine Orientierungsgröße für die Schifffahrt. Die tatsächliche Fahrwassertiefe beträgt etwa 1,90 Meter. Zu wenig ist das dennoch.

Auf Flüssen wie der Donau oder der Elbe ist die Lage ähnlich, Schiffverkehr ist nur mit Einschränkungen möglich. Am Rhein sind die Auswirkungen aber besonders gravierend. Für Industriekonzerne kommt nicht genug Nachschub über den Fluss. Teils müssen sie die Produktion zurückfahren.

Kapitän Nikolaus Hohenbild transportiert dieser Tage Dünger vom belgischen Hafen Antwerpen nach Deutschland. Im Vorstand des Bundesverbands der Selbständigen Abteilung Binnenschifffahrt (BDS) vertritt er die Interessen seiner Kollegen. Damit sie nicht auf Grund laufen, sind sie oft nur mit weniger als der Hälfte der üblichen Ladung unterwegs. "Normalerweise könnte ich 1580 Tonnen Dünger laden, es sind noch 870", sagt Hohenbild. Um das auszugleichen, lassen die Schiffer alles zu Wasser, was schwimmen kann, berichten sie.

Und das ist durchaus ernst gemeint. Stau gebe es zwar nicht, sagt Hohenbild, doch es herrsche enormer Betrieb. Niedrige Wasserstände bringen Hohenbild eigentlich nicht aus der Ruhe - die kennt er. Doch die lange Trockenheit in diesem Jahr ist außergewöhnlich. Am Anfang profitierten viele Schiffer von der gedrosselten Fracht. Weniger Platz und hohe Nachfrage heißt auch: mehr Geld. "Aber mittlerweile halten viele Auftraggeber Ladung zurück oder packen sie auf den Lkw", sagt Hohenbild. "Für unsere Kundschaft wird es sonst auf Dauer teuer." Er sorgt sich um das Image seiner Branche.

Sogar einige Tankstellen müssen ihre Kunden enttäuschen

Die Abnehmer an Land stehen ebenfalls vor Problemen - besonders die Betreiber von Steinkohlekraftwerken. Im Stress sind etwa die Logistiker beim Energieversorger RWE. Am Kraftwerk in Hamm bräuchten sie mehr Kohle. Der zu geringe Nachschub könnte den Betrieb beeinträchtigen. Der Chemiekonzern BASF hat schon vermehrt auf Lkw und Züge umgestellt. Die Versorgung mit einigen Rohstoffen sei dennoch eingeschränkt, heißt es. Thyssenkrupp unterhält eine eigene Flotte, die Material von Rotterdam nach Duisburg bringt. Die Frachter genügen nicht mehr, zusätzliche werden gemietet. Die Produktion im Stahlwerk musste trotzdem zurückgefahren werden.

Sogar einige Tankstellen an Rhein und Ruhr müssen aktuell ihre Kunden enttäuschen. Diesel oder Benzin waren über Stunden ausverkauft. "Wir bekommen nicht mehr die gewünschten Mengen über den Rhein transportiert", teilt der Mineralölwirtschaftsverband mit. Schiffer und Unternehmer haben derzeit nur einen Wunsch: Es soll endlich regnen, am besten lange am Stück. Doch Niederschlag ist nicht in Sicht.