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Proteste vor dem Braunkohlekraftwerk Jänschwalde in Brandenburg.Sind für viele Herz- und Lungenkrankheitsfälle verantwortlich: Kohlekraftwerke in Deutschland. (Foto: Greenpeace Polska, Chris Grodotzki / flickr.comCC BY-ND 2.0)

Die oft als billige Art der Stromerzeugung gepriesene Braunkohle entpuppt sich als wahre Kostenfalle: Fast 28 Milliarden Euro muss unsere Gesellschaft pro Jahr zahlen. Klima- und Gesundheitskosten durch Treibhausgase sind der größte Posten.

26.06.2018 – Teuer und extrem klimaschädlich zugleich, der oft gepriesene heimische Braunkohleabbau ist ganz und gar nicht gut für die Heimat. Nicht nur werden ganze Landstriche verwüstet, Dörfer und wie zuletzt im Rheinländischen Immerath ein ganzer Dom zerstört sowie Menschen zwangsweise umgesiedelt. Die Braunkohle kostet auch. 27,9 Milliarden Euro pro Jahr, hat das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) aus Berlin in einer Studie für Greenpeace Energy nun ausgerechnet.

„Teuerste Form der Stromerzeugung“

„Mit den hohen Folgekosten durch Abbau und Verstromung gehört die Braunkohle zu den teuersten Formen der Stromerzeugung“, schreiben die Autoren. Würde man alle Kosten, auch die gesamtgesellschaftlichen, mit einbeziehen, kostete eine Kilowattstunde Braunkohlestrom im Jahr 2017 rund 22-24 Cent. Ohne Steuern und Umlagen wohlgemerkt, die den Großteil des Strompreises von derzeit durchschnittlich knapp 30 Cent pro Kilowattstunde ausmachen. Strom aus neuen Wind- und Photovoltaikanlagen kostet dagegen 4,6 bzw. 6,5 Cent. Anders ausgedrückt: Mit allen wahren Kosten würde niemand diesen Strom kaufen.

Warum gilt Braunkohle also als billig? Weil die Braunkohlefirmen den Großteil der Kosten gar nicht tragen müssen. Die massiven Umwelt- und Gesundheitskosen tauchen in keiner betriebswirtschaftlichen Betrachtung auf, müssen aber dennoch bezahlt werden. Die Gesellschaft, sprich wir alle durch den Staat, kommt dafür auf. Zudem erhält die Braunkohleindustrie staatliche Förderungen in Höhe von fast 2 Milliarden Euro pro Jahr, wobei alleine 1,5 Milliarden auf Steuervergünstigungen entfallen.

Herz- und Lungenkrankheiten durch Kohle

Wie hoch sind also die versteckten Kosten der Braunkohle? 26,3 Milliarden Euro jährlich, sagt das FÖS, und macht zwei große Posten auf. Durch Gesundheitsschäden aufgrund von Luftverschmutzung entstünden Schäden von 3,1 Milliarden. Besonders der Quecksilberausstoß ist immens. 2014 waren die zehn größten deutschen Braunkohlekraftwerke für über die Hälfte der gesamten deutschen Quecksilberemissionen verantwortlich. Stickstoffdioxid und Feinstaub sind weitere drängende Probleme der Kraftwerke.

Dass diese Emissionen sich direkt auf die Gesundheit auswirken, zeigt eine Untersuchung aus dem Jahr 2016. Damals ließen bekannte Umweltorganisationen ausrechnen, wie viele vorzeitige Todesfälle Kohlekraftwerke in Europa verursachen, in Deutschland waren es demnach 3.630 pro Jahr. Europaweit würden bis zu 62,3 Milliarden Euro an Gesundheitskosten anfallen, die Emissionen insbesondere Herz- und Lungenkrankheiten auslösen.

Hohe Emissionen, viele Probleme

Der größte Posten entfällt allerdings auf den Treibhausgasausstoß und damit verbundene Klimakosten. Die Autoren beziehen sich auf Berechnungen des Umweltbundesamts, das im vergangenen Jahr die externen Kosten der Braunkohleverstromung auf 19,19 Cent pro Kilowattstunde bezifferte. Am Ende stehen Kosten durch Kohle-Emissionen von 23,2 Milliarden Euro pro Jahr. Hier rechnet das FÖS in Bezug auf den Sachverständigenrat für Umweltfragen nicht nur den steigenden Meeresspiegel und vermehrte Extremwetterereignisse wie Hitze und Dürreperioden, Extremniederschläge und Stürme ein, sondern auch den Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion etwa durch weniger fruchtbare Böden und Überschwemmungen sowie Klimamigration. cw