Umwelt / Klimawandel

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Wissenschaftler befürchten, dass sich der Planet durch das Zusammenspiel von Klimawandel und El Niño noch stärker aufheizen könnte. 

Stürmische Wellen krachen im Januar 2016 an Häuser am Mondos Beach im US-Bundesstaat Kalifornien. In jenem Jahr gab es einen starken El Niño. BILD MARK RALSON, AFP/GETTY IMAGES

Aller Wahrscheinlichkeit nach befindet sich gerade ein weiterer El Niño auf dem Vormarsch, der nicht nur dafür sorgen wird, dass Wetterextreme verstärkt werden, die durch den Klimawandel ohnehin schon zunehmen. Das Phänomen erhöht auch die Wahrscheinlichkeit dafür, dass 2019 das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen wird.

Mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit hat bereits ein El Niño begonnen und wird mindestens bis Ende Februar 2019 andauern, wie das Klimavorhersagezentrum der US-amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration berichtet.

Die Auswirkungen von El Niño waren durch die Klimaerwärmung bereits in den letzten Jahren heftiger. Wenn die Temperaturen weiter steigen, werden die Folgen noch drastischer, wie aus einer Studie erkenntlich wird, die in „Geophysical Research Letters“ erschien.

„Es ist absolut möglich, dass 2019 mit einem El Niño zum wärmsten Jahr aller Zeiten wird“, sagte die Co-Autorin Samantha Stevenson, eine Klimawissenschaftlerin der University of California in Santa Barbara.

Die vier wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen traten allesamt in den vergangenen vier Jahren auf, also von 2015 bis 2018. Daran ist nicht zuletzt die Zunahme der CO2-Emissionen schuld, die ebenfalls Rekordniveau erreicht hat, wie die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) mitteilt. Das Klima der Erde war in den letzten 406 Monaten wärmer als im Durchschnitt des 20. Jahrhunderts. Das bedeutet, dass niemand, der jünger als 33 Jahre ist, je einen Monat erlebt hat, der global gesehen unterdurchschnittlich kalt war.

„Jeder Bruchteil eines weiteren Grades, das zur Erwärmung beiträgt, wirkt sich auf die menschliche Gesundheit aus, auf den Zugang zu Nahrung und Trinkwasser, auf das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten, auf das Überleben von Korallenriffen und Meereslebewesen“, sagte die stellvertretende Generalsekretärin der WMO, Elena Manaenkova.

AUSWIRKUNGEN DES EL NINO

Die Gefahren der Hitze

Eine wärmere Welt bedeutet auch eine Welt mit mehr und intensiveren Extremwetterereignissen wie Hitzewellen, Waldbränden, Dürren, Überschwemmungen und heftigen Stürmen. Allein 2018 gab es 70 tropische Wirbelstürme in der nördlichen Hemisphäre. Der Langzeitdurchschnitt liegt bei 53. Die heftigen Stürme, die nicht selten Rekorde brachen, verwüsteten die Marianen, die Philippinen, Vietnam, Korea und Tonga. In den USA richteten die HurrikaneFlorence und Michael gewaltige wirtschaftliche Schäden an und kosteten vielen Menschen das Leben, wie die WMO in ihrem jährlichen Klimabericht resümierte.

Die Hitzewellen resultierten 2018 in einem erstaunlichen Produktivitätsverlust, da es oft entweder zu warm zum Arbeiten war oder zu heiß, um überhaupt das Haus zu verlassen, ohne seine Gesundheit zu gefährden. Ein Verlust von sage und schreibe 153 Milliarden Arbeitsstunden ging im vergangenen Jahr auf das Konto diverser Hitzewellen – fast dreimal so viel wie im Jahr 2000, wie aus einem Bericht zu Gesundheit und Klimawandel von „The Lancet“ hervorgeht.

Der letzte El Niño endete 2016 und wurde mit verheerenden Ausbleichungsereignissen im Great Barrier Reef, schlimmen Dürren in Afrika, Südamerika und Teilen des Pazifiks und Süostasiens sowie Waldbränden in Indonesien und Kanada in Zusammenhang gebracht. Der aktuelle El Niño soll wohl nicht so heftig ausfallen, könnte in ohnehin schon gefährdeten Regionen aber dennoch für gefährliche Wetterlagen und -ereignisse sorgen, warnen Wissenschaftler.

El Niño und sein Gegenstück La Niña bilden einen natürlichen Zyklus, der zwischen wenigen Monaten und bis zu Jahren dauern kann. Durch ihr Auftreten kann das Wetter auf der ganzen Welt beeinflusst werden, was sich nicht nur auf landwirtschaftliche Erträge auswirkt. Hungersnöte, Hitzewellen, die Klimatisierung von Gebäuden, Brandrisiken, Korallenbleichen und Extremwetterlagen hängen damit zusammen. Forschern zufolge sind die Auswirkungen von El Niño und La Niña in den letzten 20 Jahren durch die Klimaerwärmung stärker geworden.

Die Kombination aus der von Menschen verursachten Klimaerwärmung und einem natürlichen Temperaturanstieg hat gute Voraussetzungen dafür geschaffen, dass das kommende El-Niño-Jahr wärmer als alle vorherigen wird, sagte der Klimawissenschaftler Michael Mann von der Pennsylvania State University.

Mann schrieb an einer Studie mit, die in diesem Jahr erschien und den Klimawandel mit der aktuellen Prävalenz von rekordverdächtigen Dürren, Hitzewellen, Bränden und Überschwemmungen in der nördlichen Hemisphäre in Zusammenhang brachte. Die zerstörerischen Extremwetterereignisse werden allein durch den Klimawandel im Schnitt um 50 Prozent und im Extremfall bis zu 300 Prozent häufiger auftreten, sofern die CO2-Emissionen nicht unverzüglich reduziert werden, wie es in der Studie heißt.

Für gewöhnlich sorgt El Niño in Kalifornien für heftige Regenfälle. Nachdem Waldbrände dort in diesem Herbst 650.000 Hektar an Fläche verbrannt haben, könnten große Wassermengen für Sturzfluten und Schlammlawinen sorgen, sagte Stevenson. Das Feuer zerstörte fast 14.000 Häuser. Die ersten Stürme der Saison haben bereits zu Überschwemmungen und solchen Schlammlawinen geführt.

Während El Niño dem Süden der USA Regen und kühleres Wetter beschert, bringt er Hitze und Trockenheit nach Australien sowie trockenes Winterwetter in den Südosten Afrikas und den Norden Brasiliens. Im Osten Australiens sind bereits katastrophale Waldbrände ausgebrochen und die Hitzewelle sorgte Ende November für Temperaturen über 44 °C.

Wodurch entsteht El Niño?

La Niña und El Niño sind Teil eines Kalt- und Warmphasenzyklus, der auch als El Niño-Southern Oscillation (ENSO) bezeichnet wird und die Temperatur im tropischen Pazifik reguliert. Im von Klimawissenschaftlern als „neutral“ definierten Zustand herrscht im östlichen Pazifik ein hoher Luftdruck vor und im westlichen ein niedriger. Durch den Druckunterschied entstehen Passatwinde, die von Osten nach Westen über die Oberfläche des tropischen Pazifik wehen und das warme Wasser westwärts drücken. Dadurch steigt im Osten das kältere Wasser aus den tieferen Schichten auf.

Galerie: Das Wetter – immer extremer?

Als hätten sich die Schleusen des Himmels über den Getreidefeldern geöffnet, platzt im Juli 2010 nahe der Kleinstadt Glasgow ein Starkregen mitten aus einem Gewittersturm. BILD PANORAMA AUS VIER FOTOS:SEAN R. HARVEY, BARCROFT MEDIA/LANDOV

Eine 1500 Meter hohe Walze aus Staub und Sand: Am 5. Juli 2011 rast der größte Staubsturm seit Menschengedenken auf die Stadt Phoenix zu. BILD DANIEL BRYANT

Gefrorene Gischt aus dem Genfer See hüllt im Februar 2012 Autos, Bäume und Uferstraße in einen Panzer aus Eis. Die ungewöhnliche Reichweite einer polaren Luftströmung nach Süden brachte Europa Schneemassen und arktische Kälte. Mehrere hundert Menschen kamen ums Leben. BILD MARTIAL TREZZINI/EUROPEAN PRESSPHOTO AGENCY/LANDOV

Am 27. April 2011 wurden in den Vereinigten Staaten 199 Tornados registriert – ein Tagesrekord. Belege für eine generelle Zunahme gibt es aber nicht. Dieser Wirbelsturm zog eine Schneise der Verwüstung durch Tuscaloosa. Er verfehlte knapp das Football-Stadion der Universität (links oben) und auch das Krankenhaus, in dem später die Opfer behandelt wurden. Insgesamt kamen durch diesen Tornado 64 Menschen ums Leben. BILD DIGITALGLOBE

«Das war heftig!» Mit einer Geschwindigkeit von 209 Kilometern pro Stunde raste dieser Tornado auf den Fotografen zu. Unerschütterlich hielt der Sturmjäger Mike Hollingshead den Wirbelsturm am 20. Juni 2011 in Bildern fest. Auch ein Fernsehteam wagte sich im Auto nahe heran. Zum Glück kam niemand zu Schaden. BILD MIKE HOLLINGSHEAD

Wie gegen einen Wasserfall kämpft sich dieser Mann die Treppe einer Tiefgarage hoch. Ungewöhnlich starke Niederschläge überschwemmten am 3. Juli 2011 die Provinzhauptstadt Chengdu in Zentralchina, die Fluten unterbrachen auch die Stromversorgung. BILD CHINA DAILY / REUTERS

Ein öffentliches Schwimmbad in Spur, einer kleinen Stadt im Westen Texas. Eigentlich ist das Bad wegen Reperaturarbeiten geschlossen, doch Wasser ist knapp. Es besteht also keine Eile die Reperarturen schnell abzuschließen und das Becken wieder mit dem kostbaren Nass zu füllen. Seit vier Sommern steht es nun leer. BILD ROBB KENDRICK

Steppenläufer verfangen sich in den staubigen Furchen eines unbepflanzten Baumwollfeldes nahe Brownfield im Südwesten von Lubbock. Starkwinde und eine rekordverdächtige Hitzewelle verursachen eine zerstörerische Erosion, berichtet Buzz Cooper, Besitzer einer nahe gelegenen Baumwollentkörnungsmaschine. BILD ROBB KENDRICK

5. September 2011: Ein Flächenbrand in der Nähe von Bastrop, Texas, ließ die Aluminiumfelgen dieses Bootanhängers einfach dahin schmelzen. Angestachelt von starken Winden, verbreitete sich das zerstörerische Feuer rasend schnell. „Die Menschen hatten nicht mehr als fünf bis zehn Minuten, um sich in Sicherheit zu bringen,“ sagt Jack Page, Feuerwehrmann des nahegelegenen Smithville. „Wir dachten einige Male, jetzt kommen wir zu spät.“ BILD ROBB KENDRICK

Seit dem Beginn der Dürre vor zwei Jahren, gab Mark Meyers mehr als 800 Esel ein neues Zuhause. Gemeinsam mit seiner Frau Amy, betreibt er die Peaceful Valley Donkey Rescue, eine Eselauffangstation nahe San Angelo, Texas. „Der Preis für Heu hat sich vervierfacht, die Menschen konnten ihre Esel nicht mehr ernähren. Also haben sie die Tiere ausgesetzt.“

Während La Niña ist der Druckunterschied noch ausgeprägter und die Passatwinde wehen stärker, sodass auch die Kaltwasserströmungen im Pazifik stärker sind. Im Gegensatz dazu herrscht während El Niño ein höherer Luftdruck über dem Westpazifik und ein niedriger im Osten an der amerikanischen Küste. Dadurch werden die Passatwinde abgeschwächt oder ändern sogar ihre Richtung, wodurch der Ostpazifik wärmer wird.

Peruanische Fischer gaben dem Phänomen seinen Namen: El Niño, nach dem Christkind („niño“ ist spanisch für „Kind“ oder „Junge“), da die Auswirkungen der Erwärmung des Ostpazifiks – beispielsweise der Regen in den trockenen peruanischen Wüsten – stets um Weihnachten herum spürbar wurden.

Im Laufe mehrerer Monate oder Jahre kühlt die obere Wasserschicht wieder ab und kälteres Wasser steigt von unten auf, unterstützt von den Passatwinden. Das resultiert dann entweder wieder in einem neutralen Zustand oder in La Niña, die kaltes, nährstoffreiches Wasser an die Küste treibt – und damit auch beste Bedingungen für eine größere Fischpopulation bietet, die den Fischern an der peruanischen Küste zugutekommt.

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

Von Stephen Leahy