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Ein paar stehende und viele abgeholzte Bäume vor einem Braunkohletagebau.Auch in Australien werden für den Kohleabbau Räume für Mensch und Natur zerstört. Ein Gericht gebot dem nun erstmals Einhalt (Foto: Calistemon / Wikimedia CommonsCC BY-SA 3.0).

Erstmals haben Richter in Australien einem geplanten Braunkohletagebau die Abbaugenehmigung untersagt und dafür die globale Erwärmung als Teil der Urteilsbegründung angeführt. Doch noch immer ist der Kontinent weltweit größter Kohleexporteur.

13.02.2019 – 32 Prozent der weltweit exportierten Kohle stammt aus Australien, so viel wie aus keinem anderen Land. Gleichzeitig fördert der Kontinent im Südpazifik knapp 7 Prozent der weltweiten Kohle. Und um weiterhin diesen für Australien so wichtigen aber klimaschädlichen Wirtschaftszweig zu fördern, planen Energiekonzerne weitere Kohleminen. Doch einem dieser geplanten Braunkohletagebaue schob die australische Justiz nun einen Riegel vor. In der Urteilsbegründung der Richter steht – neben nachteiligen sozialen Auswirkungen für die umliegende Gemeinde – auch, dass Bau und Betrieb der Mine sowie der Transport und die Verbrennung der Kohle zum Ausstoß von Treibhausgasen führe und damit zum Klimawandel beitrage.

„Die Treibhausgasemissionen der Kohlemine und seines Produkts würde die globalen Emissionen zu einer Zeit erhöhen, in der es dringend nötig ist, diese schnell und erheblich zu reduzieren.“ – chief judge Brian Preston zur Urteilsbegründung am New South Wales Land and Environment Court   

Was aus wissenschaftlicher Sicht vollkommen logisch ist, stellt für Australien eine Zäsur dar. Erstmals wurde dort der Klimawandel als Begründung angeführt, die von der Politik hofierte Kohlewirtschaft in die Schranken zu weisen. Dabei hatte der australische Vizepremierminister Michael McCormack noch im Oktober vergangenen Jahres erklärt, dass Erneuerbare Energien nicht den Grundlastkohlestrom ersetzen könnten und das Land stattdessen seine Kohlevorräte nutzen und ausschöpfen solle.

Dabei wird dem wichtigsten Weltnaturerbe Australiens, dem Great Barrier Reef, bei einer weiter stark voranschreitenden globalen Erwärmung die vollständige Zerstörung vorausgesagt. Und erst kürzlich erlebte Australien eine Hitzewelle von bis 49 Grad Celsius – 16 Grad heißer als gewöhnlich. Auch hier ziehen Wissenschaftler Rückschlüsse auf den Klimawandel. Doch immer noch ist die klimaschädliche Kohle für 62 Prozent der landesweiten Stromversorgung verantwortlich.

Wird Australien den Weg in eine grüne Zukunft beschreiten?

Für Erneuerbare Energien ist da bislang wenig Platz. Zusammen machen Solar-, Wind- und Wasserkraft sowie Biomasse aktuell gerade einmal 16 Prozent der australischen Stromproduktion aus. Dabei besitzt Australien mit seinen Millionen Quadratkilometern Küsten und Wüsten erhebliches Potenzial für einen rapiden Ausbau Erneuerbarer Energien, wie eine Studie der Australian National University nahelegt.

Demnach könnte bei einem forcierten Ausbau Erneuerbarer Energienträger Australien die Pariser Klimaziele bereits 2025 erreichen und 2032 zu 100 Prozent regenerativ Strom produzieren. Und die Studie sieht Australien bereits auf einem guten Weg, mit einem Ausbau von Solar- und Windkraft, der, gemessen an der Einwohnerzahl, 4- bis 5-mal schneller als in Europa, USA, Japan und China vonstattengehe.       

Doch Experten des unabhängigen wissenschaftlichen Instituts Climate Analyticsbezweifeln den positiven Blick der Studie in die Zukunft und verweisen auf dabei auf die Pläne der Regierung Australiens. Demnach würde Australien seine Klimaziele krachend verfehlen, wofür insbesondere die ungenügende Reduzierung der Kohlekapazitäten von geplanten 10 Prozent bis 2030 verantwortlich sei. Hoffnung ruht nun auf der australischen Justiz, die den Ausstieg aus der Kohle einleiten könnte. mf