Energie

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Eine solarbetriebene Wasserpumpe in Kenia. [@GOGLAssociation Twitter]

This article is part of our special report Die Landwirtschaft als Schlüsselfaktor für Afrikas Aufstieg.

Zuerst machte die Mobilfunktechnologie Festnetze in Afrika südlich der Sahara überflüssig – Jahre bevor die Europäer begannen, sich ihrer Festnetztelefone zu entledigen. Nun glauben eine Reihe von Energieunternehmen, dass erneuerbare Energien, insbesondere netzunabhängige sowie nutzungsabhängige Energieformen, es den afrikanischen Ländern ermöglichen werden, auch die klassische Stromversorgung über Netze zu „überspringen“.

„Wir verfolgen das Pay-as-you-go-System seit 2012,“ erklärt Ned Tozun, Mitbegründer von D-Light, gegenüber EURACTIV.

„Und wir haben es wirklich geschafft, eine signifikante Größenordnung auf dem Markt zu erreichen – und jetzt ein Produkt auf dem Markt, das TV und Radio sowie mehrere Beleuchtungskörper betreiben kann. Das bietet ein Strom-Erlebnis, das immer näher an den klassischen Netzstrom kommt.“

Sonnenenergie durch eine App

EURACTIV besuchte mit dem Gründer von Sunna Design „Moon light“-Projekte in Ziguinchor, Senegal.

Nach Angaben des World Energy Network wären 340 Milliarden Euro an Investitionen erforderlich, um bis 2030 in ganz Afrika einen flächendeckenden Zugang zu Strom zu erreichen. Derzeit entspricht die Netzkapazität aller 48 afrikanischen Länder südlich der Sahara zusammen in etwa der von Spanien. Die harschen wirtschaftlichen Realitäten und das langsame Vorankommen der staatlichen Infrastrukturprojekte machen es unwahrscheinlich, dass dieses Investitionsvolumen in naher Zukunft erreicht wird.

In Kenia, zum Beispiel, ist weniger als die Hälfte der Bevölkerung an das Stromnetz angeschlossen. Millionen von Menschen müssen Kerosin für ihre Stromerzeugung kaufen und verbrennen. Untersuchungen aus dem Jahr 2014 ergaben, dass der durchschnittliche Kenianer zwischen 25 und 50 Cent pro Tag für eine schlecht beleuchtete Kerosinlaterne ausgeben muss. Das sind bis zu 200 US-Dollar pro Jahr – also ein überaus teures Unterfangen.

„Kinder können länger lernen, wenn sie besseres Licht haben,“ so Tozun. „Das mag nach einer sehr banalen Annahme klingen; aber das passiert tatsächlich und es hat Auswirkungen. Menschen leisten produktivere Arbeit, wenn sie eine bessere Beleuchtung haben und mehr Einkommen erzielen.“

Der D-Light-Chef weist auch darauf hin, dass die Luftqualität durch den Verzicht auf Kerosin und der Nutzung Solaranlagen verbessert werden kann.

"Die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB) ist führend bei den erneuerbaren Energien"

Der Chef der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB), Akinwumi Adesina, erklärt wie er in zehn Jahren 75 Millionen Menschen auf dem Land mit Strom versorgen will und warum sein Institut weiter Kohlekraftwerke finanziert.

D-Light begann 2007 mit dem Verkauf von Solarlampen in Indien, aber die Gründer erkannten schnell einen großen potenziellen Markt in Ostafrika.

„Es begann mit der Idee, dass wir bis zum Jahr 2020 100 Millionen Menschen von Kerosinlampen „befreien“ wollten. Wir haben also damit begonnen, diese sehr, sehr einfachen, aber sehr preiswerten und sehr hochwertigen Solarlaternen herzustellen,“ erklärt Tozun.

83 Millionen Menschen nutzen inzwischen die Produkte des Unternehmens, über 20 Millionen davon in Ostafrika. Die Firma ist auch in Nigeria tätig und hat Partner in Ghana, Namibia und der Elfenbeinküste.

„Wir sind dabei, das 100-Millionen-Ziel etwa ein Jahr früher zu erreichen als geplant,“ glaubt Tozun.

Das meistverkaufte Basis-Produkt, das D-Light anbietet, ist eine Laterne, die rund vier Dollar kostet. In Machakos, einer Stadt mit rund 200.000 Einwohnern, zwei Stunden südöstlich der kenianischen Hauptstadt Nairobi, erzählt Justus Kimole, der den Vertrieb von D-Light im Landkreis Machakos leitet, gegenüber EURACTIV, er verkaufe jede Woche rund 400 solcher Laternen.

Aber D-Light, M-Kopa und eine Reihe anderer Unternehmen bieten nicht nur Lampen, sondern auch stärkere Solar-Kits an, die Fernseher, Ventilatoren, Radios und Mobiltelefone betreiben können. Noch größere Solarsysteme, die Generatoren, Kühl- und Gefrierschränke mit ausreichend Strom versorgen, sind inzwischen ebenfalls verfügbar.

Ein Beispiel: Kunden zahlen in der Regel eine Anzahlung von rund 20 Dollar für einen solarbetriebenen Fernseher, gefolgt von täglichen Zahlungen von rund 55 kenianischen Schillingen (50 Cent), die normalerweise über ihr Mobiltelefon abgebucht werden. Die Finanzierungsdauer beträgt in der Regel zwischen 12 und 18 Monaten. Mit unter fünf Prozent sind die Ausfallraten niedrig.

Tozun sagt: „Eines der Dinge, die für mich interessant waren, ist, wie sehr die Kunden es schätzen, einfach diese Unabhängigkeit zu haben, ihren eigenen Strom zu haben – nicht warten zu müssen, bis ihnen jemand hilft. Ich kann meine eigene Energie erzeugen – das ist ein wirklich starkes Konzept.“

Afrika führt beim Mobile-Banking

Dienstleistungen zur Durchführung von Bank- und Zahlungsoperationen vom Handy aus boomen in Subsahara-Afrika. Damit leistet der Kontinent Pionierarbeit – der langsamere Rest der Welt könnte folgen. EURACTIV Brüssel berichtet.

Das Pay-as-you-go-Modell ist beliebt, da die mobile Geldmarkttechnologie in der Region allgegenwärtig geworden ist. Sie ermöglicht es gerade den Menschen in abgelegenen Regionen, von Barmitteln oder Bankkonten abhängig zu sein. 90 Prozent der Menschen dort haben ein Handy, und Anbieter von mobilen Geldüberweisungssystemen betreiben Niederlassungen an praktisch jeder Straßenecke in Ostafrika.

Das wiederum fördert die finanzielle Integration und ermöglicht einer neuen Gruppe von Kunden den Zugang zu Krediten.

„Ich sehe die Entwicklung sehr ähnlich wie in der Mobilfunkindustrie, wo die Menschen nie einen Festnetzanschluss hatten, weil es damals einfach zu teuer war und es Probleme mit der staatlichen Infrastruktur gab. Unter diesen Umständen ermöglichten Mobiltelefone im Wesentlichen das absolute „Überspringen“ dieser Festnetz-Ära,“ erläutert Tozun.

Diese Entwicklung könnten dezentrale Stromversorgungssysteme nun wiederholen, glaubt er: „Du hast einfach nicht das Problem, die bestehende Infrastruktur nutzen zu müssen, all die vorhandenen super-ineffizienten Geräte zu nutzen, die unglaublich viel Strom saugen. Jetzt können diese Haushalte tatsächlich ins 21. Jahrhundert „springen“ – und ziemlich fortschrittliche Haushalte werden.“

Von: Benjamin Fox | EURACTIV.com | translated by Tim Steins