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Bild: Joe Wolf/CC BY-ND-2.0

Der Urbanist Richard Florida sagt, dass autonome Fahrzeuge für die Städte nur die Trends fortsetzen, die mit den Autos aufgekommen sind, aber jetzt umgekehrt fortwirken

Wenn es nach manchen Konzernen und Enthusiasten geht, würden autonome Fahrzeuge viele Probleme lösen. An erster Stelle würde, so das Versprechen, die Zahl der Unfälle drastisch zurückgehen, während mehr Menschen - etwa Kinder, Greise oder Behinderte - automobil sein könnten.

Mit autonomen Fahrzeugen würden Staus vermieden und könnten auch weniger Autos die Straßen blockieren, weil sie sich effizienter einsetzen lassen, sofern vor allem Carsharing betrieben wird. Und das Fahren wird ganz entspannt, die Passagiere können allesamt plaudern, glotzen, mit ihren Smartphones und Tablets herumspielen und noch mehr in die Sozialen Netzwerke eintauchen, auch ließen sich die Fahrzeiten zum Arbeiten nutzen (Europäer erwarten Lebensqualitätssteigerung durch autonome Autos).

Richard Florida, der bekannte Urbanist, der den Aufstieg der kreativen Klasse prophezeite, zeigt sich nun in einem Beitrag für CityLab mit dem Titel "Autonome Fahrzeuge werden uns nicht retten" alles andere als begeistert vom Übergang des Automobils in das autonome Fahrzeug. Das werde keineswegs die Situation so verändern, wie dies die Techno-Optimisten hoffen oder voraussagen, sondern ganz im Gegenteil die Folgen, die bereits das Auto mit sich brachte, ebenso verstärken wie die Ungleichheit.

Autonome Fahrzeuge stehen für Florida in der Tradition der Transportmittel, beginnend mit Pferdekutschen über Straßen- und U-Bahnen sowie Zügen bis hin zum Auto, mit denen die Menschen, mit den Reicheren als Pionieren, den Zwängen der Geografie und der räumlichen Entfernung entgehen konnten, indem sie aus der räumlichen Konzentration und Verdichtung der Städte ausbrachen und ins Grüne der Gartenstädte, dann in die sich ausbreitenden Vororte und schließlich weit ins Land hinaus ziehen konnten. Mit dem Pendeln vergrößerte sich die Entfernung zwischen Wohnort und Arbeitsplatz und mit dem Sprawling vermischten sich Stadt und Land zu einer neuen Lebenswirklichkeit. Selbst in der anhaltenden Renaissance (vieler) Städte verlängern sich noch die Pendelstrecken und die Pendelzzeit (Fahren, fahren, fahren: Telearbeit bleibt weiterhin marginalDeutschland - Land der Pendler).

Ein autonomes Autos ist immer noch ein Auto, sagt Florida und weist darauf hin, dass sich in vielen urbanen Regionen wie in der Bay Area, in Washington, Dallas oder Atlanta gezeigt habe, dass ein Auto "keine effiziente Technik mehr ist, um Menschen über große Entfernungen zu transportieren. Das ist eine Schranke, die die neue Technik nicht überwinden wird."

Normalerweise wird tatsächlich immer noch versucht, einer wachsenden Verkehrsdichte und zunehmenden Staus mit mehr Straßen zu begegnen, die sich mit weiteren Fahrzeugen füllen. Man könnte sich allerdings vorstellen, was Florida nicht erwägt, dass autonome Fahrzeuge nicht mehr Eigentum von Einzelpersonen sind, sondern bei Bedarf ausgeliehen werden. Das würde zwar bedeuten, dass die einzelnen Fahrzeuge häufiger und länger benutzt werden, aber ob damit die Zahl der Fahrzeuge, die zu bestimmten Zeiten gebraucht werden, wirklich sinkt, ist ungewiss.

Die Menschen müssten bereit sein, autonome Fahrzeuge zu mehreren zu nutzen, was sich technisch leicht lösen ließe, wenn Menschen sich anmelden, um zu einer bestimmten Zeit von einem Ort zu einem anderen wollen. Aber wollen die Menschen autonome Fahrzeuge als eine Art Sammeltaxis nutzen, in denen sie mit anderen, unbekannten Menschen fahren müssen? Der "Vorzug" von Autos gegenüber öffentlichen Verkehrsmitteln ist ja gerade, dass man sich in der Masse, aber abgeschottet von allen, bewegen kann und von den anderen auch physisch getrennt ist. Kaum vorstellbar, dass sich gerade die Reicheren in autonomen Fahrzeugen unters Volk mischen werden, sie werden lieber ihre luxuriös ausgestatten autonomen Fahrzeuge für sich alleine nutzen wollen, wenn sie nicht gleich abheben und mit autonomen Kleinflugzeugen über die Straßen und Staus hinweg fliegen.

Florida macht aber auf einen anderen Punkt aufmerksam. Zwar habe in den letzten Jahren die Rückkehr der Reicheren, gut Gebildeten und Angehörigen der kreativen Klasse aus den Vororten in die Innenstädte, durch die die Immobilienpreise durch die Decke gingen, auch mit den langen Zeiten des Pendelns zu tun gehabt. Man will näher an der Arbeit und den interessanten Orten der Freizeit und der Kultur, näher am Leben sein als in den öden Vorstädten. Die Dichtheit der Angebote macht Städte wieder attraktiver.

Autonome Fahrzeuge werden an diesem Trend nichts ändern. Aber es könnte zu einer Wiederholung des Exodus aus der Stadt kommen. Allerdings werden nun die nichtprivilegierten Schichten aus den Innenstädten auswandern oder wegen der steigenden Preise von Mieten und Eigentumswohnungen, prophezeit Florida. Nicht die Reichen werden die autonomen Fahrzeuge nutzen, um aus dem Grünen in die Innenstädte zu pendeln, sondern billige autonome Fahrzeuge, beispielsweise Busse, werden dann die Angestellten, Arbeiter und Niedrigverdiener, etwa aus den zahllosen Dienstleistungsangeboten (Restaurants, Kaffees, Frisöre, Auslieferung etc.) aus dem billigen Umland in die Stadt und zurück transportieren. Denn die können wegen der hohen Mieten nicht mehr in den Innenstädten leben.

Daher werden, so Florida, wo er vermutlich richtig liegen wird, auch autonome Fahrzeuge am Trend zur wachsenden geografischen Ungleichheit nichts verändern, sondern diesen eher stärken. Er will damit zwar den Prophezeiungen vom Ende der Geographie und vom Flachwerden der Welt aus den 1990er Jahren entgegentreten. Aber er hat insofern recht, als die Reicheren und besser Gebildeten, die kreative Klasse, die "ökonomisch am meisten funktionalen und an Annehmlichkeiten reichsten Gebiete in der Nähe der Innenstädte kolonisiert" haben - mit dem Effekt der Gentrifizierung, der jedem ins Auge fällt, der in prosperierenden Städten in den Innenbereichen (noch) lebt. (Florian Rötzer)