Mobilität

Kommende Veranstaltung

05egolifeentwicklungdesign 1170x555Während sich die großen Automobilkonzerne und Tesla mit Ankündigungen neuer Elektroautos überbieten und Tesla sogar einen LKW mit Elektroantrieb vorstellt, wird auch in Aachen an der Zukunft der Elektromobilität gearbeitet. Aber in viel kleineren Dimensionen. Kaum größer als ein Smart ist das Elektroauto, mit dem die Firma Ego Mobile den Markt erobern will.

Bei Günther Schuh klingt das mit der Elektromobilität alles ganz einfach. Fast so, als wundere er sich selbst darüber, warum denn niemand sonst bislang so ein Produkt verkauft. Seine Idee: Ein besonders günstiges Elektroauto.

Kein deutscher Autobauer konnte das passende E-Auto liefern

Das Unternehmen Ego Mobile ist beim Thema Elektromobilität keine unbekannte Firma. 2010 gegründet an der RWTH Aachen, entwickelte sie das Modell Streetscooter. Der Lieferwagen mit Elektroantrieb ist seit 2016 für die Deutsche Post in Ballungsgebieten im Einsatz. 2014 übernahm die Deutsche Post das Unternehmen.

Die Begründung des Bonner Unternehmens damals: Weil keiner der großen Autobauer eine passende Lösung anbieten konnte, arbeitete die Post mit dem Newcomer aus Aachen zusammen. Und entwickelt mittlerweile sogar selbst weitere Lieferwagen.

Für das Team um Günther Schuh ging damit die erste Vision in Erfüllung. Ihr Streetscooter ist deutschlandweit im Einsatz und hat den großen Autokonzernen gezeigt, wie es funktionieren kann. Auch für die nächsten Modelle haben die Aachener große Pläne.

Die Produktion von E-Autos kann auch anders laufen

Im Juli 2018 soll das erste Auto des Modells „e.Go Life“ ausgeliefert werden, rund 1.600 Vorbestellungen seien bislang eingegangen, sagt Schuh zu Business Insider. Wegen der großen Nachfrage seien die Kapazitäten in der Montage bereits erhöht worden. „Wir halten an unserem Zeitplan fest“, sagt Schuh. Langfristig sollen es dann deutlich mehr werden, wenn denn die Bestellungen von Kunden tatsächlich kommen.

Die Deutsche Post versteht sich als E-Pionier: Mit 3.000 eigens produzierten Streetscootern stellt sie Briefe und Pakete zuDeutsche PostDie Deutsche Post versteht sich als E-Pionier: Mit 3.000 eigens produzierten Streetscootern stellt sie Briefe und Pakete zuDeutsche Post

Als nächstes Modell kommt ein Kleinbus. Noch sind die Zahlen aber zu gering, um den großen Unternehmen wirklich Konkurrenz machen zu können. Und auch optisch sind die Modelle weit von anderen Fahrzeugen entfernt.

Das Unternehmen setzt auf schnelle Produktentwicklung, viele Bestandteile sind keine Neuentwicklungen, sondern bei Zulieferern schon vorhanden. Das beschleunigt die Entwicklung und Montage. Die Autos sollen in erster Linie praktisch und günstig sein. „Wir zeigen einen Weg auf, wie Produktentwicklung auch anders laufen kann“, sagt Schuh.

Schuh ist Professor an der RWTH Aachen und hat lange in der Automobilindustrie gearbeitet. „Unsere Mission ist es, emissionsfreien Innenstadtverkehr zu ermöglichen“, sagt er. Und das eben zuerst mit einem elektrischen Lieferwagen, dann mit Kleinwagen und zukünftig mit dem Minibus.

Tesla und Porsche sind nur Fantasien

In der kleinsten Variante kostet der „e.Go Life“ rund 16.000 Euro, im Vergleich zu Elektroautos anderer Marken sehr günstig. „Wir wollen die Emission aus den Städten holen“, sagt Schuh. „Das Problem kann man in der Masse nur lösen, wenn die Masse der Menschen sich ein Elektroauto leisten kann.“ Und auf dem Massenmarkt sieht er viele der Elektroautosvon anderen Herstellern nicht. „Alle Teslas und Porsches Mission E sind Fahrzeuge, die die Fantasie anregen“, sagt Schuh. „Aber sie kommen nicht auf dem Massenmarkt an, denn sie sind für die meisten Menschen nicht bezahlbar.“

Von einer kleinen Produktionshalle in Aachen hin zum Massenmarkt ist es für die Firma aber wohl noch langer Weg. Als neues Unternehmen auf dem Markt müssen Günther Schuh und seine 140 Mitarbeiter sich erstmal das Vertrauen der Kunden erarbeiten. Denn Zeit für lange Produkttests haben die Aachener nicht, sie gehen gleich auf den Markt.