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Elbe bei Neu Darchau

Flüsse wie die Elbe bieten vielen Arten kaum noch Lebensraum.  (Foto: Philipp Schulze/dpa)

Kaum ein Fluss in Deutschland ist noch intakt, warnt ein Bericht der Europäischen Umweltagentur. Das liege vor allem an Nitrat und Pestiziden aus der Landwirtschaft.

Die Wasserqualität der Flüsse und Seen in Deutschland ist im europäischen Vergleich äußerst schlecht. Vor allem ein hoher Nährstoffeintrag und übermäßiger Pestizideinsatz in der Landwirtschaft sorgen laut einem Bericht der Europäischen Umweltagentur (EUA) für mieses Wasser.

Laut dem EU-weiten Vergleich weisen nur sieben Prozent der Flüsse in Deutschland und ein Viertel der Seen gute oder sehr gute ökologische Kriterien auf. Darunter versteht die Umweltagentur gute Voraussetzungen, unter denen Fische, Wasserpflanzen oder Kleintiere gedeihen. Für bodenlebende Wassertiere wie Krebse, Insekten und Muscheln böten manche deutsche, sowie holländische und kroatische Flüsse die schlechtesten Bedingungen innerhalb Europas. Am gesündesten seien Gewässer in Skandinavien, Schottland, Rumänien und der Slowakei. In Mittel- und Norddeutschland wird dagegen praktisch kein einziges Gewässer als ökologisch gut bewertet. Hier belasten vor allem Dünger und Pestizide aus der Landwirtschaft die Gewässer.

Ein Fünftel des Grundwassers ist schon mit Nitrat belastet

Allerdings schränken die Autoren ein, dass sich die Messtechniken in den Staaten teilweise stark unterscheiden. In Deutschland wird die Gewässerqualität etwa besonders gründlich beobachtet, Mängel treten daher auch einfacher zutage. In ganz Europa erreichen dem Bericht zufolge rund 40 Prozent aller Oberflächengewässer eine gute oder sehr gute ökologische Qualität. Damit konnten sich die Staaten im Vergleich zum letzten Bericht von 2012 praktisch nicht verbessern, und verfehlen das Ziel der EU, bis 2015 in allen Gewässern einen "guten Status" zu schaffen. Neben ökologischen Kriterien ist hierfür auch die Belastung mit chemischen Stoffen wie Quecksilber entscheidend.

Sorgen macht den Autoren auch die Entwicklung beim Grundwasser. Zwar sind noch drei Viertel des Grundwassers in Europa in einem guten Zustand. Allerdings gebe es mittlerweile auf zehn Prozent der Grundwasserfläche deutliche Verschlechterungen. Hauptursache ist Nitrat, mit dem mittlerweile ein Fünftel des Grundwassers belastet ist.

Der Bericht hebt auch Fortschritte beim Gewässerschutz hervor. Durch strengere Gesetze sei es gelungen, die Schadstoffe aus Kläranlagen deutlich zu reduzieren. Auch gegen die Verunreinigung mit Düngemitteln gibt es Rezepte. So gelang es der Stadt Leipzig laut einem Bericht des Umweltbundesamts, die Belastung mit Nitrat zu halbieren, indem unter anderem ökologische Landwirtschaft gezielt gefördert und Schutzgebiete ausgewiesen wurden. Solche Maßnahmen brauchen aber wegen der langsamen Zirkulation von Grundwasser viel Zeit. Laut Europäischer Umweltagentur könnte es Jahrzehnte dauern, bis die Nitratbelastung im Grundwasser deutlich sinkt.

Von Christoph von Eichhorn