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Es ist der letzte Kassensturz vor dem Ernstfall: In sieben Monaten muss die Essener RAG-Stiftung für die Ewigkeitskosten des Steinkohle-Bergbaus aufkommen.

  • RAG muss jedes Jahr rund 220 Millionen Euro für die Folgekosten des Bergbaus aufbringen
  • Zuständige Stiftung sieht Kosten dauerhaft gedeckt
  • Grubenwasser wird nach Zechen-Ende weiter abgepumpt
  • Ruhrgebiet durch Steinkohle-Abbau abgesackt

Das bedeutet: Sie muss pro Jahr rund 220 Millionen Euro aufbringen. Damit das Ruhrgebiet nicht zur Seenplatte wird und es weiter sauberes Trinkwasser gibt. Am Dienstag (05.06.2018) hat die Stiftung Bilanz gezogen.

Demnach sieht der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Bernd Tönjes die Folgekosten dauerhaft gedeckt, insgesamt verfügt die Stiftung über ein Vermögen von rund 17 Milliarden Euro. Wichtigste Einnahmequelle der Stiftung sind die Dividenden des Essener Evonik Konzerns.

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Pumpen für die Ewigkeit: Die Folgekosten des Bergbaus

Am 21. Dezember schließt in Bottrop die letzte deutsche Zeche. "Hier und da hört man, Ende 2018 wird quasi das Licht ausgemacht und der Schlüssel weggeworfen. Das ist weit weg von jeder Realität", sagt Bernd Tönjes, seit einem Monat Chef der RAG-Stiftung. Sie muss nach dem Zechen-Aus für die Ewigkeitskosten aufkommen.

Tatsächlich sammelt sich in dem hunderte Kilometer langen Labyrinth der vielen aufgegebenen Zechen und Gruben unter dem Ruhrgebiet salziges Wasser, das langsam aufsteigt. Es darf sich nicht mit dem höher gelegenen Trinkwasser vermischen.

Abpumpen bis in alle Ewigkeit

Deshalb wird es an zwölf Stellen im Revier weiter abgepumpt und abgeleitet in Rhein und Ruhr, Emscher und Lippe. Stand heute: bis in alle Ewigkeit.

Förderturm der Zeche Prosper Haniel

Förderturm der Zeche Prosper Haniel

Außerdem haben 200 Jahre Zechen-Betrieb das Ruhrgebiet tiefer gelegt. Im Schnitt ist die Region um zwölf Meter abgesackt. Teilweise sind es sogar bis zu 25 Meter, verglichen mit der Vor-Bergbauzeit. In diesen Senken läuft der Regen nicht mehr ab.

Stiftung soll zahlen, nicht der Steuerzahler

"Der Essener Hauptbahnhof liegt um die fünfzehn Meter unter Rheinniveau", sagt Werner Müller, Architekt der RAG-Stiftung.

"Würde man zwanzig Jahre lang nichts machen, dann würden hier langsam riesige Seenlandschaften entstehen." Die Stiftung soll verhindern, dass dafür der Steuerzahler aufkommen muss.

Ein Vermögen für die Ewigkeit

Firmenzentrale von EVONIK

Firmenzentrale von EVONIK

Elf Jahre hatte die Stiftung Zeit, ein Milliardenvermögen aufzubauen, das idealerweise in alle Ewigkeit reicht. Dafür wurde sie unter anderem mit den Industriebeteiligungen und den Immobilien der früheren Zechen ausgestattet.

Der Chemiekonzern Evonik gehört mehrheitlich der Stiftung, Teile des Wohnungsunternehmens Vivawest sowie einige Mittelständler und Start-Ups. Dazu kommen milliardenschwere Kapitalanlagen.

Erinnerungen an den Bergbau

Die RAG-Stiftung mit ihren weniger als 20 Mitarbeitern ist nicht nur einer der größten Anleger Deutschlands. Sie will auch dem Auslaufen die Erinnerung an den deutschen Steinkohle-Bergbau wach halten.

Dafür fördert und bezuschusst sie mit vielen Millionen Euro Kultureinrichtungen, Wissenschaft und Kultur-Projekte. Etwa den umfangreichen Umbau des Bergbaumuseums in Bochum.

Bergschäden keine Ewigkeitslast

Dagegen werden Bergschäden wie Rissen an Gebäuden weiterhin vom Bergbaukonzern RAG reguliert. Dafür ist Geld zurück gestellt.

Doch anders als das Abpumpen von Grubenwasser sind Bergschäden keine Ewigkeitslast. Sondern endlich: "Wir gehen davon aus, dass uns dieses Thema noch etwa 25 Jahre lange beschäftigen wird", schätzt RAG-Stiftungsleiter Tönjes.