Wirtschaft

Kommende Veranstaltung

Joachim Wille

Desertec? Da war doch was. Strom aus der Wüste, der die Mittelmeer-Region versorgt und per Fernleitung auch nach Europa geleitet wird, um hier im Elektrizitätssektor einen Teil der Grundlast abzudecken.

Das war die Idee, für die sich auch große Banken, Stromkonzerne und Anlagenbauer aus Europa begeisterten – um sie 2014 dann wieder zu beerdigen. Sie zogen sich aus der von ihnen gegründeten "Desertec Industrial Initiative" (Dii) zurück. Damit war des Mega-Projekt gestorben.

Tot ist die Idee freilich nicht. In einer Reihe nordafrikanischer und arabischer Länder sind Solarkraftwerke und Windparks gebaut worden, und viele sind in der Pipeline. Am bekanntesten ist die Großanlage im marokkanischen Ouarzazate, die im Endausbau 580 Megawatt leisten und dann Strom für zwei Millionen Menschen liefern soll, dank eines Speichers sogar nachts.

Auch Ägypten macht neuerdings mit einem gewaltigen Projekt von sich reden, das am Rande der nubischen Wüste entsteht. Nach Fertigstellung 2019 soll sie bis zu 1.800 Megawatt leisten, also dreimal so viel wie der derzeitige Solar-Rekordhalter in Marokko und genauso viel wie der weltberühmte Assuan-Staudamm.

Noch einmal – sprichwörtlich – in den Schatten gestellt wird das allerdings von der Vision, die ausgerechnet Saudi-Arabien, der weltgrößte Ölexporteur, entwickelt hat. In der saudischen Wüste soll ein Solarkraftwerk gebaut werden, das sogar 200.000 Megawatt leisten soll, also mehr als 100-mal so viel wie das ägyptische.

Teile Saudi Arabiens sind WüsteRund 200 Milliarden Dollar wollen der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman und der japanische Multimilliardär Masayoshi Son dafür mobilisieren. Fertiggestellt werden soll die Anlage bis 2030. "Das ist ein großer Schritt für die Menschheit", sagten die beiden, als sie das Projekt jüngst vorstellten.

Was die beiden wirklich antreibt? Purer Altruismus? Na ja.

Son, Chef des japanischen Softbank-Konzerns, verfolgt seit der Fukushima-Katastrophe immerhin ernsthaft das Ziel, Atom- durch Solarstrom zu ersetzen. Er ist bereits an einem Mega-Windpark in der Mongolei beteiligt und unterstützt die Idee eines "Asia-Super-Grid", das Asiens Stromversorgung revolutionieren soll.

Beim Kronprinzen liegen die Interessen etwas anders. Er will zwar die Stromversorgung des Landes bis 2030 auf Photovoltaik – und Atomkraft – umstellen, aber auch, um das eingesparte Öl und Gas dann auf dem Weltmarkt verkaufen zu können.

Große Teile Saudi-Arabiens sind Wüste – an Platz für riesige Solaranlagen mangelt es jedenfalls nicht. (Foto:Edward Musiak/​Flickr)

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins klimaretter.info