Umwelt / Klimawandel

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Joachim Wille

Der gute Wille

Es ist Winter. Im Winter ist es kalt, manchmal sehr kalt, selten sogar so bitter kalt wie in dieser Woche. Das weiß man auch. Es war schon immer so, aber es haut eben doch rein. Zwei Pullover übereinander, Schal und dicke Mütze, doch noch immer frisst der Frost sich durch.

Und viele entdecken den Trump in sich. Als im letzten Dezember eine extreme Kältewelle mit bis zu minus 38 Grad Celsius den Nordosten der USA heimsuchte, twitterte der US-Präsident aus dem warmen Florida, wo er gerade urlaubte: "Vielleicht könnten wir ein bisschen von dem guten alten Treibhauseffekt brauchen."

Ja, gibt es ihn gar nicht, den vom Menschen angeheizten Treibhauseffekt? WinterstimmungenFrostperioden sind die Zeit, in der Klimaskeptiker wie Trump aufdrehen. Kommen im November die ersten kalten Tage, ist es so weit. Bei Klimaforschern quellen die E-Mail-Fächer noch stärker über als auch sonst schon. "Wo bleibt denn der Klimawandel? Es ist doch total kalt!" – solche Mecker-Zuschriften bekomme er bis zu zehn am Tag, berichtete der bekannte Kieler Klimaprofessor Mojib Latif, als es damit vor drei Monaten wieder losging.

Latif macht sich seinen Reim darauf: "Anders als bei Einsteins Relativitätstheorie glauben viele, beim Thema Klimawandel mitreden zu können." Doch das Thema sei eben unendlich komplex. "Klimaskeptiker können oder wollen nicht begreifen, dass es sich um ein chaotisches System handelt." Ein Blick aufs Thermometer am Morgen sage nichts aus. Um die Erwärmung beurteilen zu können, müsse man eben lange Zeiträume betrachten.

Im Fall der aktuellen, späten Frostperiode kommt noch etwas anderes hinzu. Es gibt Hinweise, dass sie sogar mit dem Klimawandel zu tun hat. Eine Ursache dafür ist offenbar ein Schwächeln des Polarwirbels, der üblicherweise über der Arktis die Kaltluft zusammenhält. Dabei handelt es sich um ein großes Tiefdruckgebiet, dessen Stärke vom Temperaturunterschied zwischen der Eisluft über dem Nordpol und der wärmeren Luft über dem Atlantik herrührt.

Da dieser Unterschied wegen den über der Arktis im Rahmen des Klimawandels besonders rasant steigenden Temperaturen geringer wird, verliert der Wirbel an Kraft. Die Folge: Es kann zu Kaltluftausbrüchen nach Süden kommen – so wie wir das im Märzwinter 2013 schon einmal erlebt haben. Damals herrschte in Deutschland sogar bis Ende März strenger Frost.

Mehr davon, wie Trump und Co hoffen? Lieber nicht.

Kälte und Sonne erzeugen zusammen die schönsten Winterstimmungen. (Foto: Schulze von Glaßer)

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins klimaretter.info