Umwelt / Klimawandel

Kommende Veranstaltung

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Klimawandel – heutzutage vergeht fast kein Tag, an dem man nicht mit diesem Begriff konfrontiert wird. Die UN-Klimakonferenz hat im Dezember 2015 gemeinsam das Ziel beschlossen, dass die globale Erwärmung nicht um mehr als 2 Grad steigen darf. http://www.politische-bildung.de/klimawandel.html

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Nach vielen Expertenmeinungen sind aber 2 Grad schon zu viel und die bereits jetzt merkbaren Auswirkungen sind irreversibel.

Also legten die 195 UN-Staaten fest, dass die Welt in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts treibhausgasneutral werden soll.

Die Techniken dafür gibt es größtenteils schon. Neben dem Umstieg auf emissionsfreie Elektro-Autos, steigt auch der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energien. Im Jahr 2013 lag er laut Umweltbundesamt bei 12,4%.

Trotz allem wird der größte CO2-Verursacher – die Tierindustrie – nie als solcher gesehen. Denn hier gilt die alte Binsenweisheit "Geld regiert die Welt". Tierindustrie und Landwirtschaft sind riesige Maschinerien, welche Milliarden an Subventionen beziehen. Der Industrie und Politik ist viel daran gelegen, diese Wirtschaftssektoren aufrecht zu erhalten. Deswegen werden alle damit hergehenden Probleme totgeschwiegen oder schöngeredet.

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Laut dem offiziellen Bericht "Livestock's long Shadow" der FAO aus dem Jahr 2006, gehen 18% (7,5 Mrd. Tonnen) der jährlich insgesamt 41,8 Mrd. Tonnen ausgestoßenen Treibhausgase (gemessen in CO2-Äquivalenten) auf das Konto der Viehzucht.

Die Tierhaltung gehört damit schon zu den Hauptverantwortlichen für den globalen Treibhauseffekt und verursacht mehr Treibhausgase als sämtlicher Verkehr weltweit (13,5%).

http://www.fao.org/docrep/010/a0701e/a0701e00.HTM

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Dieser Bericht ist aber noch unvollständig. 2009 wurde der Beitrag der Tierindustrie zum Klimawandel vom renommierten World-Watch-Institute in der Publikation "Livestock and Climate Change" nach oben korrigiert. Demnach werden mindestens 51% aller klimaschädlichen Gase (CO2-Äquivalente) durch die Tierhaltung verursacht. Die effektivste Methode, um den CO2-Ausstoß und den damit verbundenen Klimawandel aufzuhalten, wäre also eine Ernährung ohne Tierprodukte.

http://www.worldwatch.org/files/pdf/Livestock%20and%20Climate%20Change.pdf

Die Grundaussagen des Berichtes "Livestock and Climate Change"

Von Vornherein wurden 22 Mrd. Tonnen CO2-Äquivalente, welche dem Bereich der Tierindustrie zuzuordnen sind, nicht in den Bericht der FAO eingerechnet. Der Gesamtausstoß erhöht sich somit von 41,8 Mrd. t auf 63,8 Mrd. t. 

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Alles zusammen genommen werden rund 32,5 Mrd. Tonnen CO2e von insgesamt 63,8 Mrd. Tonnen durch die Tierindustrie verursacht. Man kann sogar davon ausgehen, dass es eher noch mehr ist, da die Schätzungen teilweise zurückhaltend waren und sich die Tierproduktion seit 2009 wiederum erhöht hat.

Atmung

Bei der Atmung wird Sauerstoff aufgenommen und Kohlenstoffdioxid abgegeben. Der britische Physiker Alan Calverd hat errechnet, dass durch die Atmung der Gesamtheit aller Nutztiere ca. 8,8 Mrd. Tonnen CO2 freigesetzt werden. Diesen Punkt hat die FAO unverständlicherweise in ihrer Studie komplett außer Acht gelassen.

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Landnutzung

Da zur Viehzucht immer mehr Flächen benötigt werden, ist die einfachste Lösung dafür, Regenwald zu roden (siehe Regenwaldrodung). Für viele Länder ist es sehr profitabel und einfach, wenn sie auf diese Weise ihren Markt für Tierprodukte vergrößern.

Ein Hektar Regenwald kann 200 Tonnen CO2 speichern, die gerodete Graslandschaft nur noch 8 Tonnen pro Hektar.

Der Bericht der FAO hat diesen Faktor zwar berücksichtigt, aber nicht konsequent. In der Rechnung fehlen rund 2,7 Mrd. Tonnen CO2-Äquivalente.

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Methan

Laut FAO werden 37% des weltweiten Methanausstoßes durch die Tierhaltung verursacht. Das Erderwärmungspotential von Methan ist 25 mal höher als das von CO2, bezogen auf einen Zeitraum von 100 Jahren. Nimmt man einen Zeitraum von 20 Jahren, dann erhöht sich dieser Faktor auf 72. Angesichts seiner deutlich geringeren Halbwertszeit von nur 8 Jahren ist es angemessener, bei Methan in einem 20-Jahres-Zyklus zu rechnen und nicht mit 100 Jahren, wie bei CO2. Genauer erklärt wird dieser Zusammenhang von der United States Environmental Protection Agency (EPA): http://www3.epa.gov/climatechange/ghgemissions/gwps.html

Für die hier angestellte Berechnung ist folgendes entscheidend:

Im Jahr 2004 schätzte die FAO den Methan-Ausstoß durch Verdauung und Düngung auf 103 Mio. Tonnen – heute ist es schon deutlich mehr. Wenn Methan ein 72 mal höheres Erderwärmungspotential hat als CO2, dann sind das umgerechnet 7,4 Mrd. Tonnen CO2, bzw 11,6 % der weltweit produzierten Treibhausgase. Die FAO setzte in ihrem Bericht rund 5 Mrd. Tonnen CO2 weniger an.

Weitere Quellen

1. Die von der FAO angesetzten 18% beziehen sich auf Daten aus dem Jahr 2002. Der Bericht des World Watch Institutes entstand im Jahr 2009. In der Zeit dazwischen erhöhte sich die Produktion von Fleisch, Milch und Eiern um 12 %, was folglich auch einen Anstieg der dadurch frei werdenden Treibhausgase mit sich bringt. Dies entspricht einer Erhöhung um 2,5 Mrd. Tonnen.

2. Außerdem wurden für die Berechnung des FAO-Berichts teilweise Populationswerte herangezogen, die unter der Realität liegen. Zum Beispiel wurde im Bericht "Livestock's long shadow" angenommen, dass 2002 weltweit 33 Mio. Tonnen Geflügel produziert wurden. Im "Food Outlook" der FAO heißt es aber, dass im selben Jahr wesentlich mehr, nämlich 72,9 Mio. Tonnen Geflügel produziert wurden.

Hinzu kommt, dass die FAO von insgesamt 22 Mrd. Nutztieren weltweit ausging. Unabhängige Berichte zeigen  aber auf, dass es im selben Jahr ca. 50 Mrd. Nutztiere gab. Das würde bedeuten, dass 10% der von Tieren verursachten Treibhausgase nicht einberechnet wurden.

Die aktuellen Zahlen des Fleischatlas besagen, dass 2014 weltweit ca. 65 Mrd. Tiere geschlachtet wurden. bund.net

3. Die Treibhausgasemission durch Tierprodukte wurde auf der Basis veralteter Messwerte errechnet. Heutige Emissionen wären höher.

4. Für die Bemessung wurden Werte aus den USA genommen. Dort ist die Produktion aber effizienter und treibhausgasschonender als in weniger technisierten Entwicklungsländern.

Außerdem hat die FAO weitere Faktoren übersehen. Allein diese machen 3 Mrd. Tonnen CO2e aus:

Die durch Viehhaltung bedingte Regenwaldrodung in Argentinien wurde nicht einberechnet.

Auch die CO2-Emission von Fischfarmen wurde unterschlagen, genauso wie große Teile der Fischfangindustrie.

Hinzu kommt, dass für die Verarbeitung und Lagerung von Tierprodukten mehr Energie benötigt wird, als für pflanzliche Alternativen.

Dazu zählen:

  1. Fluorkohlenwasserstoffe, welche zum Kühlen benötigt werden – Sie haben ein  mehrere Tausend mal höheres Erderwärmungspotential als CO2
  2. Energieverbrauch für z. B. Klimaanlagen und Heizungen in Mastbetrieben
  3. Fleisch braucht in der Regel mehr Energie beim Kochen, da die Garzeiten länger sind
  4. Herstellung und Transport von sekundären Tierprodukten wie Leder und Fell
  5. Verpackung und Transport von Tierprodukten, welche aus hygienischen Gründen viel aufwändiger sind
  6. Herstellung von riesigen Mengen an Medikamenten für die Tierhaltung
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Leider ist der Ausblick nicht gut. Die Vereinten Nationen nehmen an, dass die Weltbevölkerung bis 2050 auf 9,7 Mrd. ansteigen wird. Die FAO geht davon aus, dass sich die Fleischproduktion im selben Zeitraum auf 455 Mio. Tonnen erhöhen wird weltagrarbericht.de

Auch wenn es den Anschein hat, dass zumindest hierzulande immer mehr Leute bewusst auf Fleisch verzichten, wächst doch der Fleischkonsum in den Entwicklungsländern erheblich, da die Preise stetig fallen.

Das sind katastrophale Aussichten hinsichtlich des kürzlich erklärten Ziels die Erderwärmung auf maximal 2 Grad zu beschränken. Die Emissionen werden zwar etwas zurückgehen, da in den nächsten Jahrzehnten die fossilen Brennstoffe durch erneuerbare Energien ersetzt werden. Das betrifft hinsichtlich Tierindustrie aber in erster Linie die Energie, die zum Betreiben von landwirtschaftlichen Maschinen und zum Transport der Tierprodukte nötig ist. Und diese hat an den gesamten 51% nur einen geringen Anteil.

Letztlich kann man davon ausgehen, dass sich die 51% sogar stark erhöhen werden, da, aufgrund des wachsenden Fleischbedarfs, noch mehr Regenwald für Weide- und Futterflächen abgeholzt werden muss, es noch mehr Tiere geben wird, die CO2 ausatmen und Methan produzieren und mehr Tierprodukte verarbeitet werden müssen.

Das Problem scheint so offensichtlich und es wäre so einfach zu lösen: Den Konsum von Tierprodukten stark minimieren oder komplett darauf verzichten.

Stattdessen wird das Problem unter den Tisch gekehrt und es werden die absurdesten Lösungsversuche unternommen, um z. B. den Methanausstoß in den Griff zu kriegen.

Wissenschaftler feilen an der Futterzusammensetzung oder empfehlen, dass Kühe in noch kürzeren Abständen kalben sollen. Das geht bis zu solchen Perversionen, dass Kühen ein Teil der Flanke herausoperiert und durch eine Glasscheibe ersetzt wird, nur damit man die Prozesse der Methanproduktion besser beobachten  kann.

Die Tatsache, dass der Menschheit der "Genuss" von Tierprodukten wichtiger ist als ein intaktes Klima, ist ein erschreckender Beweis für die Kurzsichtigkeit unserer Spezies.